Inhalt

Holzfenster mit Isolierverglasung

Interkultureller Wohnbau in Wien

Franziska Leeb
Erschienen in
Zuschnitt 58: Holzfenster
Juni 2015, Seite 10

Aufnahmen eines Pariser Fensterladens und eines Salzburger Kastenfensters dienten den Architekten Willi Froetscher und Christian Lichtenwagner als Referenzen für jene Fenster, die sie beim interkulturellen Wohnprojekt >com< umgesetzt haben. »Aus ästhetischer Sicht sind die fassadenbündigen Biedermeierfenster bis heute unschlagbar«, sagt Christian Lichtenwagner. Unmöglich, heute ein Fenster mit diesem Anspruch an Schönheit wie damals zu realisieren, außer mit höchstem Aufwand. Gerade im Wohnbau ist dieser Aufwand zusehends verpönt, weil im geförderten Segment die an sich vernünftige, aber unkreativ umgesetzte Devise »leistbares Wohnen« und im frei finanzierten Bereich das Schielen auf die schnelle Rendite anscheinend jedes materielle und immaterielle Investment in die Schönheit von vornherein zu verbieten scheinen. Ganz so einfach wollten es sich Froetscher Lichtenwagner bei der mit dem Bauträger Kallco errichteten Wohnanlage auf dem ehemaligen Nordbahnhofgelände nicht machen. Die Architekten konnten sich hier in Details verlieren, die im Wohnbau rar geworden sind. Es sind die Fenster, die den Charme dieses Hauses ganz wesentlich ausmachen. Denn das Fenster regelt die Beziehung zwischen Innen- und Außenwelt. Grund genug, der Organisation dieses Verhältnisses beim Bauen besondere Aufmerksamkeit zu widmen, so die Architekten. Zwischen Fenster aufreißen, die ganze Welt hereinlassen und dicht verschließen und verdunkeln gibt es oft auch das Bedürfnis nach einem Dazwischen. Daher bekamen die Fenster zarte Läden aus Metall vorgesetzt, die sich im geöffneten Zustand in eine Putznische schmiegen.

Das ist mein Fenster.
Eben bin ich so sanft erwacht.
Ich dachte, ich würde schweben.
Bis wohin reicht mein Leben,
und wo beginnt die Nacht?

So beginnt Rainer Maria Rilkes Gedicht »Die Liebende«, geschrieben 1908 während seiner Zeit in Paris. Das Schriftbild dieser Verse gibt den Rhythmus der Perforation der Fensterläden vor. Sie wurden mit Drehbeschlägen auf einem Blindrahmen an die Fensterstöcke montiert. Schiebeläden hätten einer Schiene bedurft, das hätte die reduzierte Erscheinung zunichte gemacht und wohl auch die Poesie. Die Fenster selbst sind Holzfenster, weiß lackiert, mit Dreifachverglasung.

  1. Dichtfolie
  2. PU-Schaum, Rundschnur, Dichtstoff
  3. Deckleiste stumpf gestoßen
  4. Sohlbank Oberfläche Alu Natur eloxiert
  5. Fensterflügel aus Fichte mit Isolierverglasung
  6. Montagerahmen für Fensterladen
  7. Tragklotz/PU-Schaum, Rundschnur, Dichtstoff
  8. Fensterladen
  9. Nische für Fensterladen

Fenstertyp Isolierglasfenster
Holzart Fichte
Verglasung dreifach
Öffnungsart Dreh- und Drehkippfenster
Oberfläche Dickschichtlasur RAL 9010
U-Wert Uw = 0,9W/m2K
g-Wert 50 %
Schalldämmwert Rw = 38 bis 43 dB (je nach Ausrichtung)

Foto

© Hertha Hurnaus

Text

Franziska Leeb
geboren 1968, Architekturpublizistin, lebt in Wien 

Interkultureller Wohnbau in Wien

Standort

Am Tabor 31/Krakauer Straße 12 – 14, Wien/A

[auf Google Maps anzeigen]

Bauherr

Kallco Development GmbH, Wien/A, www.kallco.at

Planung

Froetscher Lichtenwagner Architekten, Wien/A, www.froetscherlichtenwagner.at

Fertigstellung

2013