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Vorbilder im Holzbau

Wir fragten österreichische Architekten und Statiker, welcher Holzbau für sie – am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn – von Bedeutung war.

Erschienen in
Zuschnitt 60: 25 Jahre (pro) Holz
Dezember 2015, Seite 20f.

1916 – Senderbrücke über die Dornbirner Ache

»Dies war in meiner Umgebung der mich am stärksten beeindruckende Holzbau. Eine Brücke wie ein Haus oder ein Tunnel. Ihre Großzügigkeit, ihre Ruhe, ihre funktionelle und konstruktive Logik und Pragmatik – diese Qualitäten haben mich beeinflusst.«
Roland Gnaiger

1934 – Haus Gamerith am Attersee von Ernst A. Plischke

»Das Haus Gamerith am Attersee haben wir in Publikationen schon früh entdeckt, für die Konstruktion dieses Hauses haben wir uns aber erst zu Beginn unserer Bürotätigkeit interessiert – und mit Verblüffung festgestellt: alles Holz! Daraus haben wir gelernt, dass Material nicht a priori gut oder schlecht, modern oder altmodisch ist, sondern dass Material und Konstruktion ganz einfach Teil des architektonischen Gesamtkonzepts sind.«
Bettina Götz und Richard Manahl/artec Architekten

1965 – Kettenhaus in Tapionsolu/Finnland von Kaija und Heikki Siren

»Das Projekt habe ich in Finnland auf einer Exkursion gesehen. Es hat mich begeistert, weil es seiner Zeit weit voraus war. Bereits Mitte der 1960er Jahre hat man hier fast alle Themen zusammengeführt, die uns heute beschäftigen: sanfte Verdichtung, Vorfertigung, einfache thermische Grenzen und trotzdem hoher Wohnwert, hohe Flexibiliät, günstige Baukosten etc. In einem Gespräch mit Siegfried Wäger habe ich erfahren, dass er mit seinem Bruder Rudolf Wäger in den 1960er Jahren in Skandinavien unterwegs war und die Eindrücke, die sie u. a. von diesem Projekt gewannen, ihre spätere Arbeit, die mit als Beginn der Vorarlberger Baukünstler gilt, stark beeinflusst haben.«
Matthias Hein

1965 – Messehalle 3 in Klagenfurt von Otto Loider

»Eindrucksvolle Tragkonstruktion, die mir schon von Kindheit an von Herbstmessebesuchen mit den Großeltern in Erinnerung ist. Dreigelenkbögen, optimierte Hohlkastenquerschnitte, dem Kräfteverlauf angepasst – eine richtungweisende Konstruktion der damaligen Zeit, die auch heute noch sehr eindrucksvoll ist.«
Kurt Pock

1967 – Siedlung Halde in Bludenz von Hans Purin

»Es war Hans Purin, der uns sehr viel über seine Art, Häuser zu konstruieren, mit auf den Weg gab. So sind wir heute nach 35 Jahren mit der ganzen Fragestellung nicht viel weiter, erschwinglichen Wohnraum zu schaffen, trotz aller Energie- und Endzeitdiskussion.«
Hans Hohenfellner

1971 – Haus Mähr in Schwarzach 
von Hans Purin

»Ganz besonders beeindruckte mich dieses kaum bekannte Projekt. Das orthogonale Gerüst aus Holzstützen und Zangen, der strenge Grundriss mit enormer Innenraumqualität, die plastische Außenwirkung durch das Zusammenspiel des roten Holzskeletts mit der zweischaligen Massivwand bilden ein großartiges Gesamtkunstwerk.«
Herbert Ablinger

1973 – Haus und Atelier Tone Fink in Schwarzach von Gunter Wratzfeld

»Das Haus Fink überzeugte mich durch seine einfache statische Holzkonstruktion, Situierung im Gelände und das schlichte Erscheinungsbild durch die Wahl eines sägerauen Bretterschirms – ein moderner Regionalismus.«
Christian Lenz

1975 – Hallenbad in Neusiedl am See von Wolfgang Vasko

»Die Holzkonstruktion des Hallenbads Neusiedl war für mich die wegweisende Erfahrung für meine spätere Tätigkeit im Holzbau. Die Holzkonstruktion zeigt unter Verwendung von verleimtem Brettschichtholz eine für die Zeit einmalige Innovation. Die Konstruktion ermöglichte eine Architektur, die auch nach vierzig Jahren noch zeitgemäß ist.«
Lothar Heinrich/Vasko + Partner

1977 – Haus Kolig am Ossiacher See von Manfred Kovatsch

»Als junger Architekturstudent stand ich Mitte der 1980er Jahre vor dem hoch über dem Ossiacher See gelegenen Holzrahmenbau von Architekt Kovatsch. Mein erster Gedanke war: Der Gegensatz zwischen der von mir so geschätzten klassischen Moderne und einer regionalen, bodenständigen Bautradition löst sich hier zukunftsweisend auf. Hier sehe ich auch heute noch meine Arbeit als Baukünstler verankert.«
Dietmar Kaden

1988 – Wohnhaus im Hof, Hebelstrasse, in Basel von Herzog & de Meuron

»Zwei Holzhäuser bzw. Holzmischbauten haben mich am Beginn meiner Selbstständigkeit besonders beeindruckt: Haus Fisher von Louis Kahn und die Hinterhofbebauung in der Hebelstrasse in Basel. Hier wurde ein stimmungsvolles Holzregal geschichtet und gelagert, das noch dazu einen schmalen Grat zwischen modernem und traditionellem Holzbau definiert.«
Dietger Wissounig

1989 – Kapelle Sogn Benedetg/CH von Peter Zumthor

»Für meine verstärkte Beschäftigung mit dem Baustoff Holz waren vor allem die Arbeiten von Peter Zumthor prägend, im besonderen die Kapelle Sogn Benedetg, die die Möglichkeiten des Holzbaus aufzeigt, verbunden mit der diesem Baustoff eigenen Haptik und einer starken poetischen Aussage.«

Reinhard Schafler

1991 – Abbundhalle, Kaufmann Holzbauwerk in Reuthe von Hermann Kaufmann

»Die Halle war eines der ersten Projekte, deren Tragkonstruktion in weiten Teilen aus großformatigen Plattenwerkstoffen besteht, eine Bauweise, die in den folgenden Jahrzehnten zum Standard wurde. Für mich persönlich war es auch der Beginn meiner Planungstätigkeit in Vorarlberg und einer bis heute andauernden inspirierenden Zusammenarbeit mit den am Projekt Beteiligten.«
Konrad Merz

1992 – Abbundhalle in Murau von Ernst Giselbrecht

»Die gesamte Holzbautätigkeit in der Gemeinde Murau war sehr einprägsam für mich und meinen Kollegen Andreas Fiereder.«

Christian Stummer

Circa 1992 – Vorträge von Prof. Julius Natterer

Vorbild waren damals die Vorträge von 
Prof. Natterer in Graz, der unkonventionell gedacht hat. Einige der Dinge haben sich auch als Irrweg herausgestellt. Dennoch haben sie aufgezeigt, daß die damaligen konventionellen Ansichten nicht das Maß aller Dinge sind. Nach eigenen (auch schlechten) Erfahrungen mit verschiedenartigsten Holzkonstruktionen habe ich mich dann hauptsächlich mit Brettsperrholz beschäftigt, weil es damals erstmals baustatisch anspruchsvollere Bauwerke ermöglichte. Wenn es Brettsperrholz nicht gegeben hätte, wäre ich sicher nicht im Holzbau tätig gewesen.
Johann Riebenbauer

1995 – Bodenseestadion in Bregenz von Helmut Dietrich, Johannes Kaufmann, Bernd Spiegel

»Prägend für unsere ersten eigenen Holzbauprojekte waren die ‚Multiboxen‘. Hier sind nicht – wie bei herkömmlichen Konstruktionen – die Balken tragend und die Schalungen raumabschließend, sondern Stab und Platte bilden eine Art Kastenträger. Beim Bodenseestadion haben wir diese erstmals als Flächentragwerke angewendet.«
Johannes Kaufmann

2007 – Wohnhaus Svartlamon in Trondheim von Brendeland & Kristoffersen

»Dieses Wohnhaus war wegweisend für mich. Neben der technischen Innovation und den niedrigen Kosten beeindruckte mich die Idee nachhaltig, das Konstruktionsmaterial im Innenraum als fertige Oberfläche einzusetzen.«
Karin Triendl

Dank an alle, die uns geantwortet haben: Herbert Ablinger, Georg Bechter, Alfred Brunnsteiner, Andreas Cukrowicz, Martin Feiersinger, Gerhard Fischill, Sonja Gasparin, Roland Gnaiger, Bettina Götz, Roland Gruber, Matthias Hein, Lothar Heinrich, Hans Hohenfellner, Karlheinz Hollinsky, Dietmar Kaden, Johannes Kaufmann, Tom Lechner, Christian Lenz, Maximilian Luger, Philip Lutz, Richard Manahl, Beny Meier, Konrad Merz, Gerhard Mitterberger, Bruno Moser, Werner Nussmüller, Heinz Plöderl, Kurt Pock, Wolfgang Pöschl, Irene Prieler, Georg W. Reinberg, Johann Riebenbauer, Reinhard Schafler, Simon Speigner, Christian Stummer, Norbert Thaler, Karin Triendl, Walter Unterrainer, Dietger Wissounig