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Neuer Bürotrakt von Meiberger Holzbau in Holzmassiv- und Holzrahmenbauweise

Norbert Mayr
Erschienen in
Zuschnitt 61: Arbeiten in Holz
März 2016, Seite 12-13

"Wir wollen unser Kreislaufdenken und den schonenden Umgang mit Ressourcen zum Ausdruck bringen" (Zitat Walter Meiberger, Geschäftsführer und Inhaber Meiberger Holzbau GmbH & Co. KG)

Mit dem erweiterten Bürotrakt von Meiberger Holzbau erhielt die Pinzgauer Gemeinde Lofer nach dem Saalzubau zum Hotel Bräu durch Clemens Holzmeisters von 1928/29 ein weiteres bemerkenswertes Beispiel für den kreativen Umgang mit Bautradition und heimischen Materialien. Die architektonisch anspruchsvolle, von Holz geprägte Gesamterscheinung entspricht dem Selbstverständnis des innovativen, dynamischen Holzbau-Unternehmens Meiberger. Die Basis der Interventionen bildet ein gewerblicher Gebäudekomplex von 1978. Die Gewerbehallen wurden etappenweise adaptiert, erweitert und mit vorgefertigten Holzriegelbau-Elementen energetisch saniert. 

Ruhige Großform durch Lamellenhülle aus Brettschichtholz

Für die aktuelle Aufgabe, die Bürofläche zu verdreifachen und acht Wohnungen zu integrieren, ließ sich der engagierte Holzbaubetrieb Entwürfe von mehreren Architekten ausarbeiten. Das Konzept von Thomas Lechner von LP architektur überzeugte den Firmenchef: Im Sockelgeschoss hat der bestehende Supermarkt MPreis nun mit dem neuen, von einer markanten Betonstruktur geprägten Entree jenen Aufritt, den man von der Tiroler Lebensmittelkette erwartet. In den Geschossen darüber umfasst eine rhythmisierte, transparente Lamellenhülle aus Brettschichtholz die Wohn- wie Büronutzungen, bildet eine vermittelnde Loggia zur alpin geprägten Umgebung und gewährleistet die ruhige Großform des Gebäudes. Entsprechend den sich dahinter befindenden Funktionen variieren die Abstände der unbehandelten Lärchenlamellen, bei den Wohnungen sind sie z. B. weiter als vor den Büroräumen.

Weißtanne, Eiche, Loden

Weißtanne trägt in allen Räumen zur lichten Atmosphäre bei, die räumlich anspruchsvolle und teilweise zweigeschossige Büroerweiterung bietet hochwertige Arbeitsplätze. Drei Materialien wurden eingesetzt und zeigen fein differenzierte Oberflächen. Die Weißtanne ist im Bereich von Wand- und Deckenverkleidungen bandsägerau, bei Einrichtungsgegenständen gebürstet. Die Böden bestehen aus massiver gebürsteter und weiß geölter Eiche. Loden in brauner Farbe fand in den Lounge-, Arbeits- und Garderobenbereichen Verwendung. Die sägerauen Wand- und Deckenoberflächen sowie die raumbildendabschirmenden Kojen der Arbeitsplätze schaffen auch im Großraumbüro mit bis zu sechs Mitarbeitern raumakustisch optimale Bedingungen. Raumteilende Möbel trennen Büro- und Besprechungsraum, sodass das Obergeschoss nutzungsflexibel ist.

Die Gesamtstrategie im Umgang mit Alt und Neu bestätigte sich als ebenso ressourcenschonend wie kostengünstig: Ein Teil der bestehenden tragenden Struktur – die Stahlbetonpfeiler über zwei Geschosse und die Betondecken im Sockelgeschoss – wurde erhalten bzw. mit Brettschichtholzstützen und Brettsperrholzdecken sowie hochgedämmten Fassaden (Holzriegelbauweise mit 20 cm Mineralwolle) zu einem neuen Ganzen zusammengefügt. Die Holzelemente sind entsprechend ihren statischen Notwendigkeiten ohne zusätzliche brandschutzrelevante Maßnahmen dimensioniert.es Gebäudes konnte der Heizwärmebedarf von ca. 150 kWh/m2a auf 38 kWh/m2a reduziert werden, obwohl die konditionierte Fläche deutlich vergrößert wurde. Damit liefert Meiberger mehr Baustellen- und Zimmereirestholz an das benachbarte Heizwerk, die Bio-Wärme Lofer, als es an Wärmeenergie benötigt.

Energieeffizienz durch hochgedämmte Fassaden

Die Nordorientierung des Bürotakts und die hochgedämmten Fassaden verhindern eine sommerliche Überwärmung – eine in Zukunft dramatisch größer werdende Herausforderung –, zudem kann die Fußbodenheizung im Sommer zur Kühlung verwendet werden. Stromsparende LEDS werden für die komplette Beleuchtung innen wie außen eingesetzt. Die Mitarbeiter etwa des Großraumbüros können die vorgelagerte Balkonzone ungehindert nutzen, nur der innen liegende Besprechungsraum wird kontrolliert belüftet. Die Elektroleitungen sind im Fußboden-Aufbau, in der abgehängten Decke bzw. zwischen der Konterlattung im Wandbereich geführt.

Die rund 3.200 m2 große Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erwirtschaftet das Dreifache des Strombedarfs des Unternehmens. Durch die energieeffiziente Hülle des Gebäudes konnte der Heizwärmebedarf von ca. 150 kWh/m2a auf 38 kWh/m2a reduziert werden, obwohl die konditionierte Fläche deutlich vergrößert wurde. Damit liefert Meiberger mehr Baustellen- und Zimmereirestholz an das benachbarte Heizwerk, die Bio-Wärme Lofer, als es an Wärmeenergie benötigt.

Fotos

© Christian Flatscher
© Volker Wortmeyer

Text

Norbert Mayr
  • Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie
  • freier Architekturhistoriker und -publizist, Stadtforscher
  • seit 1984 Aufbau eines Architekturarchivs mit Schwerpunkt Salzburg
  • Forschungs-, Publikations-, und Kuratorentätigkeit
  • Vorträge, Lehrtätigkeit, Kommentare und Beiträge in Fachzeitschriften und Büchern
  • Zuletzt erschienen: »Stadtbühne und Talschluss–Baukultur in Stadt und Land Salzburg«, Otto Müller, 2006

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