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Schulhaus in Ballwil

Fichte, rot lasiert

Christoph Affentranger
Erschienen in
Zuschnitt 63: Fassaden aus Holz
September 2016, Seite 10, 11

Ballwil ist eine mittelgroße Gemeinde im Kanton Luzern mit rund 2.800 Einwohnern. Hier beginnt wie überall auf dem Lande Architektur auch einmal im Gemeindesaal. Zur Debatte stand die Erweiterung der bestehenden Schulanlage mit Bauten aus den 1950er bis 1990er Jahren. Denn in der Schweiz bezahlt die Gemeinde aus ihren Steuereinnahmen den Schulbetrieb ohne ­Zuschüsse selbst, einschließlich der Infrastruktur. Weniger Aus­gaben bedeutet für die Bürger ­unmittelbar, weniger Steuern ­bezahlen zu müssen. Und so wurde nach einer sehr lebhaften ­Debatte in der Gemeindeversammlung aus einem Wettbewerbsbeitrag mit einer Kostenschätzung von 12,3 Mio. Franken ein ­Baukredit von 8,5 Mio.

Fiechter & Salzmann Architekten schufen mit ihrem Erstling aber gleich das Kunststück, trotz Reduktion zeitgenössische Architektur zu schaffen, auch wenn für die räumliche Setzung des Raumprogramms in zwei Gebäuden wichtiges Volumen verloren ging. Dass sich der ­reine Holzbau für das kleinere Volumen aus Kostengründen durchsetzte, ist eine nette Fußnote. Das größere Volumen hat einen Betonkern mit vorgehängter Holzfassade.

Vorbilder für den architektonischen Ausdruck ihres Projekts fanden sie in den ländlichen Schweizer Bauten des 19. Jahrhunderts und, was die Bauherrschaft noch mehr faszinierte, in der japani­schen ­Tradition des Holzbaus. Den Architekten gelang es, zwischen diesen tradierten Bildern und der Gegenwart zu changieren be­ziehungs­weise sie modern zu interpretieren.

In der Überarbeitung des Wettbewerbsbeitrags blieben das Prinzip der klassizistisch gezeichneten Fassade und die großen Vor­dächer ­erhalten. Die ­naturbelassene Lärche als Fassadenmaterial und der damit verbundene Alterungsprozess hingegen überzeugten die Baukommission des Dorfes nicht. Zu stark war das Bild der „unedlen“ Scheunen und Bauernhäuser in der Umgebung. So entstand eine Fassadenarchitektur mit ­unterschiedlich hohen, geschlossenen Kassetten, ­ergänzt um Felder mit dem offenen Rautenmuster der lokalen Scheunen, die die dahinterliegenden Belüftungselemente der ­Aula schützen. Die hinterlüftete Fassade in Fichtenholz wurde mit einer Mittel­schicht­lasur behandelt. Das Rot orientiert sich an der Farbe eines älteren Holzbaus in der näheren Umgebung der Schule. Wichtige Elemente des konstruktiven Holzschutzes sind das 80 cm auskragende Vordach sowie das Zurückspringen der Kassetten von oben nach unten um jeweils 2 cm, sodass das ­Wasser gut abtropfen kann. Ergänzt wird der Holzschutz durch die Verwendung von acetyliertem Holz, das durch ein ­chemisches Verfahren widerstandsfähiger gegen Pilzbefall ist, für die unter­s­ten Fensterbänke.

Schulhaus in Ballwil, Foto: Lucas Peters

Beschichtungen

Mittelschichtlasuren und deckende Beschichtungen ­bilden geschlossene Anstrichfilme, wodurch ein gewisser Feuchteschutz erreicht wird. Während bei Lasuren die Holzstruktur erkennbar bleibt, ergeben deckende Beschichtungen einheitlich gefärbte Oberflächen in vielen Farbtönen. Sie bieten einen besonders guten UV-Schutz und ergeben daher sehr dauerhafte Anstriche. Gute Ergebnisse gibt es auch auf säge­rauen Oberflächen, auf denen sich eine besonders gute Verzahnung des Beschichtungsfilms mit dem Holzuntergrund einstellt.

Die aktuellen Ergebnisse bestätigen die lange Haltbarkeit deckender Beschichtungen. Dabei schneiden werkseitig applizierte Beschichtun­gen wesentlich besser ab als händisch mittels Pinsel applizierte Anstriche. Die industriell beschichteten Profilbretter in weißer Farbe waren im Versuch auch nach zehn Jahren Bewitterung noch in einem hervorragenden Zustand. Je nach Farbton und Exponiertheit ist bei deckenden Beschichtungen eine Wartung erst nach acht bis 15 Jahren erforderlich. Dann müssen allerdings der Altanstrich gut angeschliffen und schlecht haftende Beschichtungen entfernt werden. Zu beachten ist, dass auch im Zuge der Wartung die für den Außenbereich empfohlene Schichtdicke von maximal 60 µm nicht überschritten wird. Text: Holzforschung Austria/Claudia Koch

zuschnitt63_Fassaden Schnitt_Ballwil

Holzkassetten Fichte, lasiert 20 mm
Lattung horizontal 20 mm
Lattung vertikal variabel
Windbremse
Holzfaserdämmplatte 60 mm
Holzständerkonstruktion, dazw. Wärmedämmung 260 mm
OSB-Platte 15 mm
Dampfbremse
Installationsebene, gedämmt 50 mm
Gipskarton 15 mm

Fotos

© Lucas Peters &
© Susanne Völlm

Text

Christoph Affentranger
  • Studium der Architektur an der ETH Zürich und an der Technischen Hochschule Helsinki
  • 1996 Gastforscher an der Architekturhochschule Oslo
  • arbeitet als Architekt und Publizist in Zug (Schweiz).
  • Buchpublikationen u.a. »Neue Holzarchitektur in Skandinavien«.
  • Beiträge in zahlreichen Fachzeitschriften und Zeitungen, darunter die Neue Zürcher Zeitung, mit Schwerpunkt Bauen mit Holz und Architektur in Skandinavien

Schulhaus in Ballwil

Standort

Ambar 9, Ballwil⁄CH

[auf Google Maps anzeigen]

Bauherr

Gemeinde Ballwil, Ballwil⁄ CH, www.ballwil.ch

Planung

Fichter & Salzmann Architekten, Zürich⁄ CH, www.fiechtersalzmann.ch

Holzbau

Ideal Holzbau ag, Ballwil⁄ CH, www.ideal-holzbau.ch;
Holzbau Meier ag, Mühlau⁄ CH, www.holzbau-meier.ch

Statik

Lauber Ingenieure ag, Luzern⁄ CH, www.lauber-ing.ch

Fertigstellung

2015

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