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Cornelia Parker

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 66: Dichter in Holz
Juni 2017, Seite 28

Transitional Object (PsychoBarn): Hitchcocks „Psycho“-Haus auf dem Dach des Metropolitan Museum of Art in New York

Die britische Künstlerin Cornelia Parker konnte ein breiteres Publikum vor allem durch ihre ungewöhnlichen Installationen auf sich aufmerksam machen. In einer ihrer bekanntesten Arbeiten, „Cold Dark Matter – an Exploded View“ aus dem Jahre 1991, ließ die Künstlerin ein Gartenhäuschen von der briti­schen Armee in die Luft jagen. Die Aktion wurde fotografisch dokumentiert und die Fragmente wurden in einer späteren Ausstellung als Installation gezeigt. Die einzelnen Holzteile sowie das zerstörte Inventar wurden, an dünnen, unterschiedlich langen Fäden hängend, als Momentaufnahme der Explo­sion zusammengefügt. Der Akt der Explosion wurde dabei ins Comichafte transformiert und das Pathos der Zerstörung in ­einen kontemplativen Moment umgekehrt. Parker, die 1997 für den Turner Prize ­nominiert war, hegt ein starkes Interesse an architektonischer Reinszenierung und prozesshaften Strategien, wie auch die hier abgebildete Arbeit „Transitional Object (PsychoBarn)“ zeigt. Ausgehend vom 1925 entstandenen Gemälde „House by the Railroad“ des amerikanischen Malers Edward Hopper (1882 – 1967) und dem ikonischen viktorianischen Haus aus Alfred Hitchcocks Film „Psycho“ (1960) ließ Parker 2016 für den Dachgarten des ­Metropolitan Museum of Art in New York ein 9 Meter hohes Replikat des Gebäudes anfertigen. Nahezu detailgetreu wurde das nur aus zwei Fassaden bestehende Filmhaus nachgebaut, wobei die Künstlerin alte Holzbretter eines Schuppens aus der ländlichen Region von Upstate New York verwendete. Die für diese Gegend typischen ländlichen Schuppen sind als dutch barn bekannt und stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die rote Färbung der Holzbretter evoziert eine ländliche Idylle, die durch das Design von Hitchcocks „Psycho“-Haus bewusst konterkariert wird. Parkers Intention war, nicht nur der Skyline von Manhattan, Synonym für Kapitalismus und Finanzspekulation, ein frühes Beispiel amerikanischländlicher Architekturgeschichte gegenüberzustellen, sondern darüber hinaus auch auf den Zustand der amerikanischen Psyche einzugehen. In dieselbe Zeit, als Parker „Transitional ­Object (PsychoBarn)“ entwickelte, fiel auch der ­Präsidentschaftswahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump. Die Zerrissenheit der amerikani­schen Nation, die Widersprüche zwischen heiler Welt und dystopischer Aussicht spiegeln sich in der Arbeit Parkers wider, die sich als dunkle Vorahnung auf den darauffolgenden Ausgang der Präsidentschaftswahl, als mahnende Installation wie ein Fremdkörper vor die Skyline New Yorks schiebt.

Cornelia Parker
geboren 1956 in Cheshire, England
lebt und arbeitet in London

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2017 Frith Street Gallery, London
  • 2016 The Roof Garden Commission: Cornelia Parker, Transitional Object (PsychoBarn), The Metropolitan Museum of Art, New York
  • 2015 One More Time, Terrace Wires Commission, St Pancras International, London; Whitworth Art Gallery, Manchester
  • 2014 Ikon Icons – 1980s, Ikon; Gallery, Birmingham; Truth to Materials, Art Bärtschi & Cie, Genf

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2017 Sculpture in the Close, Jesus College, Cambridge; q&a: Artists in Conversation, Whitechapel Gallery, London
  • 2016/17 First Light: A Decade of Collecting at the ica, The Institute of Contemporary Art, Boston
  • 2016 Sublime, Centre Pompidou-Metz, Metz/FR
  • 2015 Summer Exhibition, Royal Academy of Arts, London; Periodic Tales, Compton ­Verney, Warwickshire/UK

Foto

© The Photograph Studio/Hyla Skopitz, The Metropolitan Museum of Art, Copyright 2016/Courtesy the artist and Frith Street Gallery, London

Text

Stefan Tasch
Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien