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Holz wächst – Forschungsprojekt I

Baubotanik

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 73: Unter Spannung
März 2019, Seite 25

Eine neue Professur an der TU München beschäftigt sich damit, wie man mit lebenden Pflanzen bauen kann.

Seit 2017 gibt es an der TU München eine neue Professur für Green Technologies in Landscape Architecture. Unter der Leitung von Ferdinand Ludwig beschäftigt man sich hier unter anderem mit dem Thema der Baubotanik, einer Bauweise, bei der lebende und nicht lebende Konstruktionselemente so miteinander verbunden werden, dass sie zu einer pflanzlich-technischen Verbundstruktur verwachsen. Schon während des Studiums interessierte sich Ludwig für lebende Tragstrukturen wie die aus lebenden Wurzeln gebauten Brücken in Nordostindien. In unseren Breitengraden sind Tanzlinden Beispiele für lebende Bauwerke.
»Während die lebenden Brücken eine archaische Möglichkeit aufzeigen, mit lebenden Bäumen Konstruktionen beeindruckender Größe und Tragfähigkeit zu schaffen, stehen Tanzlinden für einen architektonisch-gärtnerischen Ansatz, Pflanzenräume mit besonderer Aufenthaltsqualität zu schaffen«, heißt es auf der Website der Professur. Ferdinand Ludwig will mithilfe wachsender Tragstrukturen Lösungen für die drängenden Fragen unserer Zeit wie urbane Überhitzung und Ressourcenverschwendung finden.

Sein Ziel ist es, Häuser zu bauen, bei denen Bäume ein integraler Bestandteil zum Beispiel der Balkonstruktur werden. Er ist überzeugt, dass die ästhetischen, ökologischen und klimatischen Vorteile groß sind. Doch wie soll man mit Bäumen bauen, die Jahrzehnte zum Wachsen brauchen?

Demonstrationsobjekte wie den baubotanischen Turm (s. oben) und den Platanenkubus gibt es bereits. Bei beiden wurden auf einem Stahlgerüst mehrere hundert bzw. über tausend Pflanzen verteilt, die nun miteinander verwachsen. Dabei werden die Stämme so verbunden, dass sie zu einem einzigen Organismus verwachsen. So könne man eine neue Zeitdimension in das Bauen mit Bäumen bringen und zugleich auf architektonische und geometrische Vorgaben reagieren, sagt Ferdinand Ludwig. Nun wartet er auf mutige Bauherren, die sich an ein solches Baum-Haus heranwagen. Seine theoretische Expertise ist ohnehin international gefragt, zum Beispiel wenn es darum geht, alternative Konzepte gegen Überhitzung zu finden.

Foto

© Ferdinand Ludwig, Cornelius Hackenbracht

Professur für Green Technologies in Landscape Architecture an der Fakultät für Architektur, Technische Universität München: www.ar.tum.de/gtla/

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at