Inhalt

Forschung

Zum Einfluss von Holz auf Haptik, Wärmeempfinden und Raumklima

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 74: Im Innenraum
Juni 2019, Seite 19

Die Verwendung von Holz in Innenräumen beschäftigt auch Holzforscher im In- und Ausland. Wir stellen hier zwei Forschungsprojekte vor: Untersuchungen zu Haptik und Wärmeempfinden der Holzforschung Austria und zum Einfluss von Holz auf das Raumklima der Technischen Hochschule Dänemark.

Haptik von Holzoberflächen

Ohne Berührung ist es oft sehr schwierig, zwischen Holz und Holzimitaten zu unterscheiden. Deshalb hat die Holzforschung Austria im Zuge eines Forschungsprojekts versucht herauszufinden, wie die Materialität und die Beschaffenheit von Oberflächen das subjektive taktile und haptische Empfinden beeinflussen.
Hierzu hat sie Testpersonen verschiedene Oberflächen mit geschlossen Augen beurteilen lassen sowie die Abkühlung von einem Probekörper im Kontakt mit unterschiedlichen Materialproben gemessen.

Besonders bei kühlen Materialtemperaturen zeigte sich der Vorteil von Holz gegenüber Imitaten und Nicht-Holz-Materialien, wobei Holzarten mit geringer Dichte tendenziell wärmer empfunden wurden als Holzarten mit höherer Dichte. Die Beschaffenheit der Holzoberflächen, ob lackiert, geölt oder unbeschichtet, wirkte sich kaum auf das Empfinden der Temperatur aus, sehr wohl aber auf das haptische Empfinden der Oberfläche.

Es zeigte sich, dass die geschätzten haptischen Eigenschaften von Holz am stärksten bei unbehandelten oder geölten Oberflächen zutage treten. Holz ist ein guter Isolator, hat eine niedrigere Wärmeleitfähigkeit und fühlt sich beim Kontakt trotz kalter Raum- und Materialtemperaturen angenehm an. Kalte Materialien mit hoher Wärmeleitfähigkeit hingegen entziehen dem Körperteil im Bereich der Kontaktfläche die Wärme, und das wird häufig als unangenehm empfunden.

Siehe: www.wood2new.org, www.holzforschung.at

Einfluss von Holz aufs Raumklima

Holz verändert die Luftfeuchtigkeit in einem Raum und damit auch die Oberflächentemperatur.

Temperatur und Feuchtigkeit sind zentrale Merkmale von Innenräumen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass diese durch die Wahl des Oberflächenmaterials beeinflusst werden. Holz kann Feuchtigkeitsschwankungen in der Raumluft verringern, da es eine feuchtigkeitspuffernde Wirkung hat. Holz nimmt die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft auf und gibt diese, wenn die Luftfeuchtigkeit sinkt, wieder an die Umwelt ab. Dabei kann Holz dreimal so viel Feuchtigkeit puffern wie Beton und Ziegel, zweimal so viel wie Gips. Alle Oberflächenbehandlungen und Holzmodifikationen sowie die Wahl der Schnittfläche (quer oder senkrecht zur Faserrichtung) beeinflussen die Wechselwirkung zwischen Holz und Raumklima.

Im Zusammenhang mit der Adsorption kommt es zu einer Freisetzung von Wärme, die die Oberflächentemperatur von Holz erhöht. Umgekehrt wird bei der Desorption Wärme benötigt. Diese Prozesse in Kombination mit anderen thermischen Eigenschaften von Holz führen zum Konzept der hygrothermalen Masse, die das Potenzial hat, die Energieeffizienz von Gebäuden zu verbessern. Diese Attribute will man in Zukunft zur Energieeinsparung und zur Reduktion der Lüftungsraten nutzen.

Hand aufs Holz

Wie viel Wärme entziehen die Materialien der Hand und wie fühlt sich die
Oberfläche an? Gemessen wurde die Abkühlung bei einer Raumtemperatur
von 18°C nach 20 Sekunden.

Feuchtigkeitsaufnahme in Abhängigkeit von der Oberflächenbehandlung

Der Feuchtepufferwert (MBV) beschreibt die Fähigkeit von Holz zum Puffern von Feuchtigkeit: Er gibt die Massenänderung pro freiliegender Fläche pro Änderung der relative Luftfeuchtigkeit (RH) an.

Quellen

Tactile Perceptions of Wood-Based Materials, Michael Truskaller, Holzforschung Austria, 2017.
Moisture Buffering of Building Materials, Carsten Rode et al., Department of Civil Engineering, Technical University of Denmark, 2005.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at