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Handwerkskooperationen

Tina Zickler
Erschienen in
Zuschnitt 74: Im Innenraum
Juni 2019, Seite 15

Schon vor knapp dreißig Jahren schlossen sich in Österreich und anderen Ländern Europas die ersten Handwerker zusammen, um in verschiedenen Formen zu kooperieren. Das ist ein wichtiger Ansatz, weil viele Handwerksbetriebe Ein-Personen-Unternehmen sind und es neben ihrer Arbeit kaum schaffen, für sich zu werben und sich adäquat auf dem Markt zu positionieren.

Speziell im Bereich Holz gibt es interessante Kooperationen, die sehr erfolgreich agieren. »Gemeinsamkeit macht stark«, ist das Motto der Lavanttaler Tischlergemeinschaft in Kärnten. Die sechs eigenständigen Tischlereien kooperieren nicht nur in Sachen Marketing, sondern organisieren zusammen auch den Einkauf und nutzen gemeinsam ein CNC-Zentrum, um technisch anspruchsvolle Kundenwünsche erfüllen zu können. Um die Aus- und Weiterbildung zu bündeln, hat die Lavanttaler Tischlergemeinschaft 2009 zudem eine Lehrlingsakademie ins Leben gerufen.

Seit 1999 existiert auch in Tirol ein starker Verband von Holzbaubetrieben: htt15 – Holzbau Team Tirol. Inzwischen gehören 15 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt rund 500 Mitarbeitern zu dieser Kooperative, die sich als Forum für Qualitätssicherung, Fortbildung und Meinungsaustausch versteht. Ziel ist es, Kunden bei der Realisierung von Bauvorhaben optimal zu unterstützen. Die projektbezogene Zusammenarbeit der Betriebe ermöglicht auch die Realisierung großer Bauvorhaben. Um die Mitarbeiter konsequent auf dem neuesten Stand der Technik zu halten, wurde dafür das Geschäftsfeld Technik und Qualität eingerichtet, wovon auch die Kunden profitieren.

Auch in der Holzbauregion Bregenzerwald hat die Handwerkskultur eine reiche, jahrhundertealte Tradition. Bereits 1991 initiierten junge Handwerker, Gestalter und Architekten den Wettbewerb Handwerk + Form in Andelsbuch und gründeten 1999 den Verein Werkraum Bregenzerwald. Heute sind rund 90 Meisterbetriebe im Werkraum zusammengeschlossen, um das Bregenzerwälder Handwerk strategisch zu positionieren, über die Region hinaus sichtbar zu machen und einen internationalen Austausch anzuregen. Die Mitglieder sind mittelständische, in der Regel familiengeführte Handwerksbetriebe – darunter viele, deren Geschichte etliche Generationen umfasst. Aufgabe dieser Plattform ist es, nach außen mit Ausstellungen, Wettbewerben und Vorträgen und nach innen mit Entwicklungsarbeit und Nachwuchspflege zu wirken. 2016 startete der Werkraum Bregenzerwald gemeinsam mit den Bezauer Wirtschaftsschulen ein neues Pilotprojekt: die Werkraumschule. Am Ende der fünfjährigen Ausbildung erwerben die Absolventen den Lehr- und Handelsschulabschluss inklusive der Unternehmerprüfung.

Eine Auswahl aus Österreich

Meisterstraße Austria, www.meisterstrasse.com
htt15 – Holzbau Team Tirol, www.htt15.at
Lavanttaler Tischlergemeinschaft, www.tischlergemeinschaft.at
Werkraum Bregenzerwald, www.werkraum.at
Kornberg Design Tischler, www.die-kornberg-designtischler.at
Tischler Vulkanland Steiermark, www.tischler-vulkanland.at
Die Aufmöbler, www.aufmoebler.at

Text

Tina Zickler
ist Diplom-Kommunikationswirtin, sie kuratierte u. a. die Ausstellung handwerk. Tradiertes Können in der digitalen Welt, die 2016/17 im MAK – Museum für Angewandte Kunst in Wien zu sehen war.