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Spaß an der Bricolage

Umbau eines Kirschlagers – Holzart Kiefer

Hubertus Adam
Erschienen in
Zuschnitt 74: Im Innenraum
Juni 2019, Seite 10f.
Materialmix im Wohnbereich, schwarz lasierte Dreischichtplatten im Arbeitszimmer.

Auf der Suche nach Wohn- und Atelierräumen stießen Architektin Lilitt Bollinger und ihr Partner Daniel Buchner – Mitinhaber von Buchner Bründler Architekten in Basel – vor einigen Jahren auf den Gebäudekomplex einer leer stehenden Schnapsbrennerei in Nuglar-St. Pantaleon am Rande des Schweizer Jura. Der Baubestand zeigte sich heterogen: Das Lager war ein Betonbau mit zwei Untergeschossen. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch aus prinzipiellen Überlegungen erfolgte die Entscheidung, den Rohbaucharakter mit seinem Mix an Materialien nach Möglichkeit zu belassen und eine vergleichbare Direktheit auch bei den Ein- und Umbauten zum Prinzip zu machen. Die Betonstruktur des Lagers, dessen Erdgeschoss nun als Werkstatt und Garage dient, blieb erhalten und wurde lediglich mit Durchbrüchen in Wänden und Decke versehen. Über eine kreisförmige Öffnung gelangt man in das Studio von Lilitt Bollinger. Hier wie im benachbarten Wohnbereich blieb die hölzerne Dach- und Deckenstruktur erhalten. Grün gestrichene Regale und Fensterrahmen prägen die Straßenseite, die räumliche Strukturierung erfolgt durch mit Seekieferplatten beplankte Raumteiler, deren Pfosten bis zur Decke reichen, oben aber unverkleidet sind. So entstehen unterschiedliche Zonen, grenzen sich Büro- und Privatbereiche visuell voneinander ab. Über eine Wendeltreppe vor der Fassade gelangt man auf das Dach und in das neu hinzugefügte, innen mit schwarz gestrichenem Holz ausgekleidete Studiolo von Daniel Buchner. Wenn man die Arbeiten der sonst separat tätigen Bewohner kennt, so lässt sich unschwer feststellen, dass es sich hier um eine wirkliche Gemeinschaftsarbeit handelt. Die Liebe zum Detail und der Spaß an der Bricolage kennzeichnen beide Haltungen.

Bestehender Rohbau und Hinzufügungen verbinden sich auf das Überzeugendste, und auch wenn hier überhaupt nicht versucht worden ist, Alt und Neu ästhetisch zu harmonisieren und anzugleichen, so weiß man nicht an allen Stellen, womit man es gerade zu tun hat.

Text

Hubertus Adam
ist freier Architekturkritiker, Architekturhistoriker und Kurator.

Wohn- und Atelierraum in Nuglar-St. Pantaleon

Standort

Bifangstrasse 5, Nuglar/CH

Bauherr

Privat

Planung

lilitt bollinger studio, Nuglar/CH, www.lilittbollinger.ch; Buchner Bründler Architekten, Basel/CH, www.bbarc.ch

Statik

Jürg Merz, Maisprach/CH, www.merz-ingenieur.ch

Innenausbau

Hürzeler Holzbau AG, Magden/CH, www.huerzeler-holz.ch

Wand

Sperrholzplatten aus Seekiefer, unbehandelt

Decke

Fichte, unbehandelt (Bestand)

Möbel

Fichte, unbehandelt, Eiche, unbehandelt (Küche und Möbelgriffe)

Wand/Decke

(Arbeitszimmer) Dreischichtplatte aus Fichte, schwarz lasiert

Fertigstellung

2018