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Ein superleichter Stuhl

Material-, aber nicht ressourceneffizient

Alfred Teischinger
Erschienen in
Zuschnitt 75: Potenzial Holz
September 2019, Seite 24

Generell zeigt die Holzwirtschaft bei der Ressourcen- und Materialeffizienz in Technologie und Produktgestaltung noch enormen Nachholbedarf. Dabei scheint – in Anlehnung an Ernst Ulrich von Weizsäckers Thesen – ein Faktor 4, also doppelter Wohlstand bei halbiertem Naturverbrauch, durchaus möglich. Ressourceneffizienz in einer Prozesskette und im Produktdesign ist in letzter Konsequenz nur mit erhöhtem fertigungstechnischen Aufwand erzielbar. Doch wie ist das zu bewerten?

Ein Beispiel mag das verdeutlichen: Schon 1951 konstruierte der Designer Gio Ponti einen Stuhl aus Eschenholz mit ausgeklügelten Verbindungsmitteln für die Konstruktion und einem Gewicht von nur 1,7 Kilogramm. Dieser Stuhl ist ein Meisterwerk an mechanischer Leistung von Holz bei Erfüllung hoher ästhetischer und funktionaler Ansprüche im Design. Dennoch wurde der Stuhl, der auch heute noch produziert wird, wegen seines hohen Herstellungsaufwandes inklusive der hohen Zuschnitts- und Bearbeitungsverluste für die Holzteile (geringe Materialproduktivität) und des damit verbundenen Preises nie ein erfolgreiches Massenprodukt. Dieses Beispiel zeigt dennoch recht eindrucksvoll, was 1,7 Kilogramm Holz grundsätzlich zu leisten vermögen. Übliche Stapelstühle aus Metall und Holz bzw. Metall und Kunststoff wiegen zwischen 4 und 7 Kilogramm.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Artikel »Ressourceneffiziente Holznutzung? Technologische Einsparungspotenziale im Spannungsfeld von Material- und Ressourceneffizienz und der kaskadischen Nutzung von Holz«, erschienen in Lignovisionen Nr. 29, 2015, S. 21–27.