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Projekt-Datenbank: Architektur, Holzbau

Diese Holzbau-Sammlung zeigt die technischen, gestalterischen und ökologischen Potenziale von Bauen mit Holz. Eines der ältesten Baumaterialien präsentiert sich mit neuen Perspektiven für Architektur und Stadtplanung – ressourcenschonend, smart, nachhaltig und urban. Geordnet nach Kategorien, wird diese Holzarchitektur-Datenbank laufend um aktuelle Bauwerke ergänzt.

Kantonschule Wil

Das zwei- bis viergeschossige, um einen Hof gruppierte Gebäude ist einer der größten in der Schweiz realisierten Holzbauten. Die Tragstruktur aus Brettschichtholz beruht auf einem Raster von 5,40 auf 3,90 Meter.

Bauherr

Kantone St.Gallen und Thurgau, vertreten durch das Kantonale Hochbauamt St.Gallen

Architektur

Staufer&Hasler Architekten BSA SIA, Frauenfeld/CH

Tragwerksplanung

J.Siegfried Holzbauplanung, Roggwil; Ingenieurbüro Marcel Nobel AG, Wil; Conzett Bronzini Gartmann AG, Chur

Schon die Auslobung des 1997 durchgeführten zweistufigen Wettbewerbs formulierte den Wunsch nach Holz als Baumaterial für die neue Kantonsschule in Wil. In ihrem Siegerentwurf ordnetendie Architekten das umfangreiche Raumprogramm um einen zentralen, baumbestandenen Hof in einem kompakten, zwei- bis viergeschossig abgestuften Volumen an. Das gesamte Gebäude ist als Holzskelettbau mit einem strengen Raster von 3,90 x 5,40 Metern konzipiert. Vier Betonkerne, die neben den Treppen auch die nötigen Nassbereiche enthalten, gliedern den Bau gemäß den brandschutztechnischen Anforderungen und steifen ihn gleichzeitig aus. Größere Räume wie der Sporttrakt oder die Aula werden stützenfrei überspannt. Einer strengen Konstruktionslogik folgend liegen Räume mit großen Spannweiten stets ganz oben im Gebäude und haben auf diese Weise nur die vergleichsweise geringen Dachlasten zu tragen. Auch die Fügung des Tragwerks aus Brettschichtholz besticht durch eine fast lehrbuchhafte Ausführung. Die schwerbelasteten Stützen sind nur über das Stirnholz gestoßen. Die Hauptträger werden in die tiefen Stützen eingeschlitzt und die Balkenlagen außerhalb der Haupttragachsen eingezapft. Auf diese Weise kommt das Holz materialspezifisch ideal zum Einsatz, sodass keine aufwendigen Knoten erforderlich sind. Ähnlich konsequent ist die Ausführung der Fassade aus massivem Eichenholz, das bei Verwendung im Außenbereich gute Widerstandsfähigkeit aufweist. Um die Unterhaltskosten gering zu halten, bleibt es unbehandelt. Die gewählten Maßnahmen des konstruktiven Holzschutzes halten die kritischen Stellen der Fassade schadensfrei und der kräftig profilierte Baukörper mildert mit seinem Licht- und Schattenspiel die unvermeidbaren Spuren der Abwitterung des Holzes. Die konsequent materialgerechte Haltung in Entwurf und Konstruktion des Neubaus der Kantonsschule Wil – einem der größten Holzbautender Schweiz – kann als beispielhaft bezeichnet werden.

Kategorie: Ausstellung: Bauen mit Holz, Bildung, wooddays.eu Projekte, Potenziale und Grenzen