Einen guten Tisch aus industrieller Produktion, einen mit Qualität in Design, Material und Verarbeitung zu finden, dabei noch preisgünstig, ist tatsächlich nicht einfach. Liegt es daran, dass der Essplatz bei veränderten Lebensabläufen und -gewohnheiten nicht länger Zentrum des Familienlebens ist? Gegessen wird zwischendurch - in der kleinen Küche, an der Hausbar, beim Fernsehen am Couchtisch. Der Esstisch als »gutes Stück« der Wohnung hat vielfach ausgedient, ist im knappen Wohnungsgrundriss ersatzlos gestrichen. Legt man noch Wert auf den Tisch als Ort familiärer Kommunikation, so muss er das Zeug zum soliden Erbstück haben. Als solches bleibt seine Herstellung eine Domäne des Tischlers.
einmaleins / einmalzwei
Die in sich äußerst stabile Konstruktion von zwei parallelen, fix miteinander verbundenen Platten wird hier für einen Tisch genutzt - anstelle der üblichen vier vertikalen Bretter, die die Zargen bilden und die vier Tischfüße im »Normalfall« miteinander verbinden. Die Beine durchstoßen dieses handwerklich ausdrücklich gefügte Plattenpaar und sind in der oberen Platte bündig verkeilt. Die eigentlich banalen Platten, die an das sogenannte Nudelbrett erinnern, erhalten erst durch das Hochheben mittels graziler Beine ihre Tischfunktion und geben der Konstruktion räumliche Präsenz. Eine farblich abgehobene, flache Lade für verschiedene Zwecke ergänzt das unprätentiöse Gestell. Seine Beine werden durch Stege aus geschwärztem Flacheisen mit Fußhülsen an der schmalsten Stelle unten zusammengehalten. Einmaleins ist ein wandelbarer Esstisch, wenn auch nicht im üblichen Sinn. Außerhalb der Mahlzeiten völlig angeräumt (wer kennt das nicht), verschwinden bei Bedarf Zeitungen und sonstiger Kram blitzschnell in der offenen Fachablage. Erhältlich ist der Tisch in zwei einander ergänzenden Größen in Tanne, Ahorn oder Kirsch.
Tabula Rasa
Der Tabula Rasa mit einer Tischplatte aus Buche (75 x 75 cm) wird als Tisch für kleine Wohnungen beworben. Er lässt sich ganz ohne Werkzeug, in drei Höhen (49 /61 /72 cm) verstellen und ist leicht zerlegbar. Unkonventionell ist seine Konstruktion: Zwölf exakt gesetzte Mulden an der Unterseite des Tisches nehmen die vier Tischbeine, unterschiedlich nach der jeweiligen Höhe auf. Ein Hanfgurt spannt die Platte an einen zentralen Würfel. Dieser ist Drehpunkt der gedrechselten Beine und zugleich Verteiler der Kräfte. Belastet man eine Seite des Tisches, indem man sich etwa auf den Tisch setzt, so beansprucht das ein Bein naturgemäß sehr stark. Dieses aber leitet die Last zum Würfel, der sie aufnimmt und an die anderen verteilt. Klappmechanismus und Leichtigkeit verleihen dem Möbel etwas sympathisch Improvisatorisches. Dieser Tisch eignet sich ganz und gar nicht zum Repräsentieren, wird aber sicher auch nicht so schnell ausrangiert. Hat er als Ess- und Couchtisch ausgedient, kann er immer noch als Gartentisch oder fürs Picknick gute Dienste tun.