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Holzhaus steinalt

Das „Nideröst-Haus“ in Schwyz (CH) ist gemäss einer Jahresringanalyse das älteste Holzhaus Europas. 2001 wurde es allerdings demontiert und liegt seither als Sammlung nummerierter Einzelteile im Depot.

erschienen in
Zuschnitt 27 Zweite Lesung, September 2007
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Wie hoch ist der höchste Berg? Wie lang ist der längste Fluss? Und wie alt ist das älteste Holzhaus? Letztere Frage kann – zumindest für Europa – seit 1998 eindeutig beantwortet werden. Damals wurde das bis 1980 bewohnte »Nideröst-Haus« aus Schwyz (CH) wissenschaftlich untersucht. Dabei konnte mittels Jahrringanalyse festgestellt werden, dass das Gebäude in seinem Kern aus dem Jahr 1175 stammt, also »Zeitgenosse« illustrer Persönlichkeiten wie Walther von der Vogelweide, Friedrich I. Barbarossa oder Hildegard von Bingen war. Mehrere Erweiterungen, Ab- und Wiederaufbauten musste das mittelalterliche Herrenhaus über sich ergehen lassen, ehe es 2001 endgültig demontiert wurde.

Seither liegt es als traurige Sammlung nummerierter Einzelteile in einem Depot des Kantons. Verschiedene Versuche der neuerlichen Errichtung scheiterten entweder an Einsprüchen der Besitzer, des Schwyzer Gemeinderats oder der Denkmalbehörde, bevor man sich mit dem Tierpark Goldau am Zugersee einigte. Dieser plant in den nächsten Jahren eine Parkerweiterung, in deren Rahmen auch das Nideröst-Haus als baugeschichtliches Denkmal wieder aufgebaut werden soll – womit bewiesen wäre, dass auch Holzhäuser steinalt werden können.


verfasst von

Eva Guttmann

2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.

Erschienen in

Zuschnitt 27
Zweite Lesung

Wann in den Redaktionssitzungen die Idee aufgetaucht ist, einen Zuschnitt über »Klassiker« des Holzbaus zu machen, lässt sich nicht einmal mehr anhand der Protokolle einwandfrei feststellen. Tatsache ist, dass das Thema wieder und wieder besprochen, verworfen und vertagt wurde, trotzdem nie ganz aus der Diskussion geriet und schließlich als Inhaltsschwerpunkt für diese Ausgabe gewählt wurde.

8,00 €

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Zuschnitt 27 - Zweite Lesung