Zum Hauptinhalt springen

Österreichische Waldinventur 2016–2021
Wald – Holz – Klima

erschienen in
Zuschnitt 86 Balkone im Holzbau, September 2022

Die Österreichische Waldinventur, durchgeführt vom Bundesforschungszentrum für Wald, erhebt seit 1961 den Bestand von einer der wichtigsten ­Ressourcen in Österreich – dem Wald. Periodisch wird eine Vielzahl von Daten erhoben, die umfassende Informationen über den Rohstoff Holz und die Stabilität und Dynamik des Ökosystems Wald liefern. Nach der Zwischenbilanz von 2018 liegt nun die Auswertung der jüngsten Erhebungsperiode 2016–2021 vor. Die wichtigsten Ergebnisse: Ein weiterer Zuwachs an Waldfläche und Holzvorrat, die Zunahme an Laub- und Mischwäldern sowie eine größere Biodiversität wurden verzeichnet.

Bereits seit über einem halben Jahrhundert wird durch die Österreichische Waldinventur (ÖWI) der heimische Wald einer kontinuierlichen Bestandsaufnahme und Untersuchung unterzogen. Als größtes Monitoringprojekt des Bundesforschungs­zentrums für Wald (BfW) bietet die periodische Erhebung umfassende Informationen über die Struktur und Dynamik des Waldes als Gesamtökosystem und über die Entwicklung des nachwachsenden Rohstoffs Holz als ökologische und ökonomische Ressource. Mit Ergebnissen des Zeitraums 2016–2021 liegen nun die Daten der achten Erhebungsperiode vor. Sie bilden die ­Basis zahlreicher wissenschaftlicher Projekte und dienen als Grundlage für Entscheidungen zur Wald- und Klimapolitik sowie als Orientierungshilfe für die Forstpraxis und die Holzindustrie. Die jüngsten Resultate lassen trotz der Herausforderungen des Klimawandels einen positiven Trend erkennen: Durch die aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung der letzten Jahre wird der Wald klimafitter und resilienter als zuvor.

 

Die Waldfläche nimmt zu

Bereits in der letzten Erhebungsperiode 2007–2009 war die Gesamtfläche des heimischen Waldes mit 3,69 Millionen Hektar sehr hoch. Mit einer aktuellen Zahl von 4,02 Millionen Hektar – das entspricht einem Waldanteil von 47,9 Prozent der Fläche Österreichs – bestätigt das Ergebnis der Waldinventur die Entwicklung der letzten Jahre: Der Wald wächst. Eine Zu­nahme ist vor allem im Westen des Landes, in den gebirgigen Regionen, zu verzeichnen und auf natürliche Sukzession des Waldes sowie Aufforstungen zurückzuführen.

Als waldreichstes Bundesland innerhalb Österreichs bleibt die Steiermark mit 62 Prozent knapp an erster Stelle, unmittelbar danach folgt mit 61 Prozent Kärnten. Salzburg kommt auf 52 Prozent. Oberösterreich und Tirol liegen gleichauf bei jeweils 42 Prozent, gefolgt von Niederösterreich mit 40 Prozent. Unter dieser Marke liegen Vorarlberg, das Burgenland und Wien mit 38, 34 und 22 Prozent.

Baumartenverteilung und Vielfalt

Neben der stetigen Zunahme der Waldfläche zeigt die Waldinventur eine weitere Tendenz: jene zu mehr Laub- und Mischwäldern. Damit sind die Weichen in Richtung klimafitte und klima­resiliente Wälder gestellt. Um den Wald noch gezielter entsprechend den Klimaveränderungen gestalten und gut auf das zukünftige Klima ­vorbereiten zu können, hat das BfW ein eigenes Beratungsinstrument entwickelt – die Baum­artenampel. Dieses Tool ermöglicht eine erste Einschätzung der passenden Baumart und soll Waldbesitzer:innen bei der Baumartenauswahl unterstützen. Sie gibt Auskunft über jene Baum­arten, die in verschiedenen Klimaszenarien in verschiedenen Regionen die beste Wahl für den Wald der Zukunft sind.

Durch den bereits jetzt erkennbaren Rückgang der Reinbestände an Nadelholz hin zu mehr Laub­mischbeständen ist auch ein wichtiger Schritt zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität gesetzt. Ein weiterer Indikator für eine wach­sende Vielfalt ist auch das Totholz. Es hat um 18 Prozent zugenommen und stärkt den Wald als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Zugleich ­beeinflussen die natürlichen Waldbewohner auch das Ökosystem Wald. Hinsichtlich des jüngeren Bestandes an Waldbäumen ist es vor allem Schalenwild wie Reh und Hirsch, das durch den Verbiss an Jungpflanzen Einfluss auf die Entwicklung der Waldverjüngung nimmt.

Waldnutzung und Vorrat

Derzeit liegt die Holznutzung im Ertragswald bei 89 Prozent des jährlichen Zuwachses. Einem Gesamtzuwachs von 29,2 Millionen Vorrats­festmetern steht eine Nutz­ung von insgesamt 26,0 Millionen Vorratsfest­me­tern gegenüber. Damit ist eines der ­wichtig­sten Kriterien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erfüllt – nicht mehr Bäume aus dem Wald zu entnehmen als nachwachsen. Dieser Grundsatz ist im österreichischen Forst­gesetz festgehalten, im Sinne einer ­stetigen Zunahme des Holzvorrats.

Über die Jahre hat der Nutzungsanteil zugenommen. Hier spiegeln sich der steigende Bedarf an Holz für stoffliche und energetische Nutzung, aber auch das Bestreben wider, die Abhängigkeit von fossilen und anderen nicht erneuerbaren Rohstoffen zu verringern. Die Datenlage zeigt auch, dass der Anteil der Nutzung nicht ausschließlich durch eine steigende Nachfrage des Rohstoffs Holz bestimmt wird. Bedingt durch die klimatischen Veränderungen, hat der Anteil, der aufgrund von Sturmschäden, Befall des ­Borkenkäfers oder Trockenheit entnommen ­werden musste, explizit zugenommen. Der Holzvorrat hat sich in Summe jedoch keinesfalls ­dezimiert. Nach den Ergebnissen der aktuellen Waldinventur liegt er bei einem Höchststand von 1,2 Milliarden Vorratsfestmetern im Gesamtwald bzw. 1,18 Milliarden Vorratsfestmetern im Ertragswald.

Um diese positive Entwicklung aufrecht zu er­hal­ten, ist es wichtig, den Wald der Zukunft zu planen. Dazu hat die ÖWI im Laufe der Zeit immer mehr ökologische Parameter in ihr System einge­baut, greift auf aktuellste Satellitendaten zurück und entwickelt zunehmend komplexe Fernerkundungs­methoden zur Ableitung hochauflösender Waldinformationen unter Zuhilfenahme des ­Artificial Learnings. Mit einer der modernsten Waldinventuren Europas sind die Forscher:innen in der Lage, eine umfassende Evaluierung der nachhaltigen Wald­bewirtschaftung durchzuführen. Waldinven­tur ist eben mehr als nur Bäume zählen.

Weitere Informationen und Kontakt

Die Österreichische Waldinventur wird vom Fachinstitut ­Waldinventur des Bundesforschungszentrum für Wald durchgeführt. Dessen Hauptaufgabe liegt in der Planung, Durchführung des Monitorings sowie der Auswertung der ­Daten. Die Ergebnisse und weiterführende Informationen zur Waldinventur sind auf www.waldinventur.at inter­aktiv aufbereitet. Sämtliche verfügbare Daten können nach Regionen (Bund, Land, Bezirksforstinspektion), nach Themen (Waldfläche, Vorrat usw.) sowie nach internationalen Kriterien und ­Indikatoren gefiltert werden. Je nach Filter werden die ­Resultate in Tabellenform oder anhand von Karten ­dargestellt.

Rückfragehinweis
Bundesforschungszentrum für Wald – BfW
Fachbereich Waldinventur
DI Dr. Klemens Schadauer
T +43 (0)1/878 38-1226
klemens.schadauer@bfw.gv.at


Links


verfasst von

Christina Simmel

leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

Erschienen in

Zuschnitt 86
Balkone im Holzbau

Der Balkon als Bauteil ist in der Architektur heute ebenso selbstverständlich wie komplex. In diesem Zuschnitt zeigen wir anhand gelungener Beispiele die Vielfalt an gestalterischen Aspekten und beleuchten die konstruktiven Herausforderungen von Balkonen im Holzbau.

8,00 €

Zum Produkt   Download

Zuschnitt 86 - Balkone im Holzbau