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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 77: Brandrede für Holz
März 2020, Seite 3

16 Jahre ist es her, dass wir einen Zuschnitt zum Thema Brandschutz herausgegeben haben. Damals, 2004, konnte man in Wien schon viergeschossige Wohnbauten in Holz errichten mit einem Erdgeschoss in mineralischer Bauweise. Heute darf man in Österreich laut OIB sechs Vollgeschosse in Holz ohne zusätzliche Brandschutzmaßnahmen bauen. So wie in Österreich wurden auch in Deutschland und der Schweiz die Brandschutzvorschriften parallel zu den technologischen Entwicklungen des Holzbaus liberalisiert. Das Bauen mit Holz wurde damit einfacher und wirtschaftlicher, weil es bis zu einer bestimmten Gebäudehöhe keine erhöhten Anforderungen für den Holzbau mehr gibt. Die Schweizer liberalisierten nach einer intensiven Forschungs- und Entwicklungsphase ihre Brandschutzvorschriften ­sogar so weit, dass seit 2015 brandschutztechnisch robuste Holzbauteile nicht brennbaren Bauweisen gleichgestellt sind. Auch über die Hochhausgrenze hinaus können hier Häuser ohne Weiteres in Holz gebaut werden.

Diese Gleichstellung mit anderen Baustoffen bietet ein großes Potenzial für das nachhaltige Bauen in den Städten. Endlich kann auch in großem Maßstab in den Städten in Holz gebaut werden, ohne zusätzliche Auflagen erfüllen zu müssen. In diesem Sinne kann man den Essay, den der Schweizer Architekt Yves Schihin für diesen Zuschnitt geschrieben hat, auch als eine Art Brandrede für Holz lesen. Er sagt, wir sind gefordert, unser Verhalten im Bauwesen den neuen klimatischen Gegebenheiten anzupassen und endlich wieder nachhaltig zu planen und zu bauen. Es ist höchste Zeit.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at