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Frank Stella

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 78: Ausbildung Holzbau
September 2020, Seite 28

Der amerikanische Künstler Frank Stella gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Analytischen Malerei, des Minimalismus, des Hard Edge und der Farbfeldmalerei. Er hat Generationen von amerikanischen und europäischen Künstlern beeinflusst.

Nach seinem Geschichtsstudium an der Princeton University zog Stella Ende der 1950er Jahre nach New York. Der zu dieser Zeit vorherrschenden Kunstströmung des abstrakten Expressionismus begegnete er mit betont flachen, geometrischen Arbeiten wie den »Black Paintings«. Stella wollte mit Industriefarbe und Anstreicherpinsel der Malereitradition etwas industriell Nüchternes entgegensetzen. »What you see is what you see« ist eines seiner bekanntesten Zitate. 1959 waren diese Arbeiten Teil der legendären Ausstellung »Sixteen Americans« im MoMA, in der neben Stella auch Jasper Johns, Robert Rauschenberg und Ellsworth Kelly ausstellten. Mit dieser Ausstellung begann Frank Stellas Karriere. Es folgten Einladungen zur documenta 4 (1968), zur Biennale in Venedig (1972) und erneut zur documenta 6 (1977).

In den 1960er Jahren überwand Stella das klassische Bildformat und begann mit beliebig geformten Bildträgern, den »Shaped Canvases«, zu experimentieren. Diese L-, N-, U-, und T-förmigen Leinwände setzten sich über die traditionelle Auffassung der Malerei als zweidimensionales Medium hinweg. In den 1970er Jahren entwickelte Stella die »Protractor Series«, die sich aus halbkreisförmigen Anordnungen zusammensetzen. In den 1980er und 1990er Jahren wurde Stella in seiner Formensprache zunehmend barocker, entfernte sich vom Minimalismus und arbeitete immer öfter dreidimensional. Mit skulpturalen Formen wie Säulen, Kurven und Wellen entstanden Wandarbeiten, die weit über die Reliefform hinausgingen und Raum beanspruchten. Es folgten frei stehende Skulpturen für den öffentlichen Raum und architektonische Projekte. Die hier abgebildete Arbeit »Wooden Star I« (4 x 4 x 4 m) aus dem Jahr 2014 zeigt ein wiederkehrendes Motiv im Werk Frank Stellas: Der Stern als Ausgangspunkt einer metaphysischen Projektion, ein Motiv, das mit Religion assoziiert ist und als konstantes Bewertungssystem unserer Gesellschaft dient. Die Außenskulptur war 2016 Teil der Retrospektive im Whitney Museum of American Art in New York. Der Stern wurde aus Teakholz gefertigt und erinnert in seiner minimalistischen Ausführung an die frühen Arbeiten Stellas. Ausgangspunkt für die Herstellung der Form war jedoch keine analoge Zeichnung oder Skizze, sondern die Berechnung eines Computers, deren Ergebnis am Ende manuell umgesetzt wurde.

Frank Stella

geboren 1936 in Malden/US
Lebt und arbeitet in New York

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2020/21 Frank Stella‘s Stars, A Survey, Aldrich Contemporary Art Museum, Ridgefield/ US
  • 2019 Recent Work, Marianne
    Boesky Gallery, New York
  • 2018 Recent Work, Sprüth Magers, Los Angeles
  • 2017/18 Lines/Edges: Frank Stella
    On Paper, Columbus Museum of Art, Columbus/US
  • 2016 Frank Stella and the Synagogues of Historic Poland, POLIN Museum of the History of Polish Jews, Warschau
  • 2015 A Retrospective, Whitney
    Museum of American Art, New York

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2020 Stop Painting, Fondazione Prada, Venedig
  • 2019 Spilling Over: Painting Color in the 1960s, The Whitney Museum of American Art, New York
  • 2017/18 Parapolitics: Cultural Freedom and the Cold War, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Text

Stefan Tasch

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien