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Tom Sachs

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 80: Schallschutz
März 2021, Seite 28

Tom Sachs wurde 1966 in New York City geboren und studierte zunächst Architektur an der Architectural Association in London. Ende der 1980er Jahre kehrte er in die USA zurück und arbeitete zwei Jahre bei Frank Gehry in der Möbelwerkstatt. Aus dieser Zeit stammt auch das Knolling, eine Art Ordnungsanleitung, die aus der Zusammenarbeit mit der Möbelfirma Knoll entstand. Alle Werkzeuge sollten immer im rechten Winkel zueinander geordnet werden, das schafft Übersicht und spart Zeit. Es gibt noch mehr dieser Ordnungsanleitungen und Regeln, die Sachs 2009 als eine Art Manual, die »Ten Bullets«, herausgegeben hat und die seitdem von seinen Assistentinnen und Assistenten im Atelier befolgt werden.

Erste Erfolge konnte Sachs Mitte der 1990er Jahre in der New Yorker Morris-Healy Gallery feiern, als er in seiner ersten großen Einzelausstellung »Cultural Prosthetics« eine Installation zeigte, die auf den ersten Blick getrennte Welten der Gewalt und des Krieges mit der des Luxus und des Überflusses fusionierte. Die ausgestellten Waffen waren aus Karton bzw. der Verpackung von Marken wie Hermès – »HG (Hermés Hand Grenade)«, 1995 – oder Tiffany & Co. – »Tiffany Glock (Model 19)«, 1995 – gefertigt. Die DIY-Ästhetik dieser Objekte wurde zum Markenzeichen von Tom Sachs. Weitere wichtige Aspekte in seinen Arbeiten sind die Bricolage (Improvisation) und die Transparenz in der Ausführung – sie zählen zu den wichtigsten Parametern in Sachs’ Kunstverständnis, weshalb er alle Gebrauchsspuren wie Klebstoff, Abschürfungen oder Konstruktionsmethoden in seinen Skulpturen und Installationen sichtbar belässt und nicht kaschiert. Die Brandmalerei oder Pyrografie und die Intarsienarbeit, das Einlegen von Holzstücken, zählen ebenfalls zu den formalen Methoden, die Sachs immer wieder anwendet.

Die hier abgebildete Skulptur »Toyan’s«, 2002, war Teil der Ausstellung »Boombox Retrospective, 1999–2016«, die Sachs im Brooklyn Museum in New York zeigte. In dieser waren 18 unterschiedliche Boombox-Skulpturen zu sehen, die über die Jahre jeweils für einen bestimmten Anlass gebaut wurden. »Toyan’s« erinnert in seiner Größe (244 x 366 x 61 cm) und Form an die Sound Systems (eine Art mobile Diskothek), die nach dem Zweiten Weltkrieg auf Jamaika entstanden. Konstruiert und betrieben werden die Sound Systems zwar nicht von Toningenieurinnen und -ingenieuren, sie sind aber tontechnisch sehr fein abgestimmt. Wie in der Bricolage werden die Boxen auf einfache Weise zusammengeschraubt und sind für den schnellen Auf- und Abbau konzipiert. Die Skulptur »Toyan’s« wurde aus einfachem Sperrholz gefertigt und ist mit dreißig Boxen und Kopfhörern ausgestattet. Weil die Hochtöner und die Bassboxen bei solchen Konstruktionen in der Regel sehr exakt eingestellt sind, wirkt dieser sehr laute Sound direkt auf den Körper – eine besondere Erfahrung. In einer genau orchestrierten Abfolge spielte jede der 18 Boombox-Skulpturen einen individuellen Sound, der in seiner Gesamtheit als eine Art Audio-Porträt von Tom Sachs fungierte.

Tom Sachs,

geboren 1966 in New York, lebt und arbeitet in New York

Einzelausstellungen (Auswahl)

  • 2021 Ritual, Thaddaeus Ropac, Paris
    Space Program: Rare Earths, Deichtorhallen Hamburg, Hamburg
  • 2019 Timeline, schauwerk
    Sindelfingen, Sindelfingen
    Tea Ceremony, Tokyo Opera City Art Gallery, Tokio
    Smutshow, Tomio Koyama Gallery, Tokio
  • 2018 Swiss Passport Office, Thaddaeus Ropac, London
    Chawan, Tom Sachs, Greenwich House Pottery, New York
    Tea Ceremony, Nasher Sculpture Center, Dallas
  • 2017 Space Program 3.0: Europa, Yerba Buena Center for the Arts, San Francisco
    Objects of Devotion, Sperone Westwater, New York
    Bronze, Baldwin Gallery, Aspen
  • 2016 Nuggets, Jeffrey Deitch, New York
    Boombox Retrospective, 1999 – 2016, Brooklyn
    Museum of Art, New York
    Tea Ceremony, The Noguchi Museum, New York

Gruppenausstellungen (Auswahl)

  • 2015 Space Age, Thaddaeus Ropac, Paris Pantin
    Re-Corbusier. Seize œuvres contemporaines à la Maison La Roche, Fondation Le -Corbusier, Paris
  • 2014 Satan Ceramics, Salon 94 Freemans, New York
    5 Year Anniversary Group Show, Ever Gold Gallery, San Francisco
    Feats of Clay, Baldwin Gallery, Aspen
  • 2013/14 Booster, Kunst Sound Maschine, Marta Herford Museum, Herford/DE
    Piston Head: Artists Engage the Automobile, Venus Over Manhattan, Manhattan, New York
    Meanwhile … Suddenly And Then, 12th Biennale de Lyon, Lyon

Text

Stefan Tasch

Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien