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Wirtschaftsfaktor Wald und Holz
Wald – Holz – Klima

erschienen in
zuschnitt 83 Holz im Alltag, Dezember 2021

Nahezu die Hälfte Österreichs ist mit Wald bedeckt, rund 4 Mio. Hektar. Der Waldreichtum stellt die Schutz-, Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion sicher, aber auch die wirtschaftliche Nutzfunktion ist dadurch gewährleistet – und das ist von großer Bedeutung. Denn die Forst- und Holzwirtschaft ist eine wichtige Stütze der heimischen Wirtschaft.

Österreich verfügt über eine vielfältige Waldlandschaft. Die heimischen Wälder dienen der Erholung, sind Kohlenstoffspeicher, bieten Lebensraum für Tiere. Ihre Bedeutung für den Schutz der Biodiversität, für den Klimaschutz und das Erreichen der Klimaziele ist hinlänglich bekannt und wissenschaftlich belegt. Der Wald ist aber auch Holzproduzent. Rund 3,4 Mio. Bäume in Österreichs Ertragswald stellen eine einzigartige Holzressource dar. Diese ist die Grundlage eines der bedeutendsten Wirtschaftszweige Österreichs, der Forst- und Holzwirtschaft. Mehrere kürzlich veröffentlichte Studien haben deren gesamtwirtschaftlichen Effekt untersucht und zeigen auf, welches Wertschöpfungspotenzial die heimischen Ressourcen bieten und welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine teilweise Außernutzungsstellung mit sich bringt.

Ein Erntefestmeter Holz bringt durch Veredelung bzw. Weiterverarbeitung eine Bruttowertschöpfung von bis zu 1.212 Euro für die Wirtschaft Österreichs. Die gesamte Bruttowertschöpfung, also der durch die Produktionsprozesse geschaffene Mehrwert des gesamten Wertschöpfungsnetzwerks Forst- und Holzwirtschaft liegt aktuell bei 20,4 Mrd. Euro. Das ist ein Anteil von 5,72 Prozent an der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung. Ebenso wichtig ist der Beitrag am Bundesbudget und für die Sozialversicherungsträger. Insgesamt werden 8,7 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben unmittelbar und mittelbar durch die Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft generiert.

Wertschöpfung des Rohstoffs Holz

Wer steht hinter der Wertschöpfungskette?

Dieses Netzwerk ist weitreichend und generiert Arbeitsplätze in einer Vielzahl von Branchen, die in direkter Form oder aber indirekt, in Vorleistung oder als Endprodukt, den heimischen Rohstoff Holz verarbeiten:

Die Forstwirtschaft bildet mit Aufzucht und Abholzung den Ausgangspunkt, gefolgt von der weiterverarbeitenden Sägeindustrie. Es folgen die Betriebe zur Herstellung diverser Massivholzprodukte und Werkstoffe aus Holz, die dann im Bauwesen und Möbelbau Verwendung finden oder als Basis für die Fertigung von Sportartikeln und vielen weiteren holzbasierten Gütern dienen. Weitere Zweige sind die Zellstoffindustrie sowie die Papier- und Verpackungsindustrie und deren nachgelagerte Sektoren wie das Druck- und Verlagswesen. Schließlich sind auch zahlreiche Dienstleistungen Teil des Wertschöpfungsnetzwerks, beispielsweise Forschung und Entwicklung, Ausbildung und Verwaltung.

Die gesamte Wertschöpfungskette der Holzverarbeitung umfasst 172.000 Betriebe und schafft Arbeit für rund 300.000 Menschen. Jeder 15. Arbeitsplatz in Österreich ist auf die Forst- und Holzwirtschaft zurückzuführen. Damit zählt die Holzbranche zu den größten Arbeitgebern in Österreich. Vor allem im ländlichen Raum sind die holzverarbeitenden Industrien ein wichtiger Arbeitgeber und für die regionale Wertschöpfung von großer Bedeutung.

Eine Reduktion der Rohstoffbasis, also eine Verringerung der Holzeinschlagsmenge, hätte regional, aber auch gesamtwirtschaftlich weitreichende Folgen. Eine Außernutzungsstellung von 10 Prozent führt zu einem Verlust an Arbeitsplätzen und bedeutet Einbußen in der Wirtschaftsleistung: Bei einem Minus von 10 Prozent der derzeit durchschnittlich eingeschlagenen Holzerntemenge wären in den Branchen, die der Forst- und Holzwirtschaft anhaften, insgesamt 26.000 Arbeitsplätze gefährdet. Der Beitrag zur gesamten Bruttowertschöpfung würde sich um 1,8 Mrd. Euro verringern und das fiskalische Aufkommen wäre um 0,8 Mrd. Euro reduziert.

Waldfläche, Holzvorrat und Holznutzung

Weltweit wird die Waldfläche kleiner. In den heimischen Wäldern dagegen wächst die Fläche schon seit Jahrzehnten – in puncto Holzvorrat liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld. Und dieser Vorrat wird immer größer, denn in Österreichs Wald wächst mehr Holz nach, als genutzt wird. Aktuell stehen 1,173 Mrd. Vorratsfestmeter im Ertragswald zur Nutzung bereit und jährlich wachsen etwa 30 Mio. Vorratsfestmeter nach. Die Nutzung pro Jahr liegt unter diesem Zuwachs: Bei 88 Nutzungsprozent – dieses Verhältnis von Nutzung und Zuwachs hat sich in den letzten Jahren eingependelt – nimmt der Holzvorrat kontinuierlich zu. Durch die aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, die bedachte Nutzung der heimischen Wälder und eine umsichtige Verwendung steht Holz daher uns und auch den kommenden Generationen zur Verfügung. Das gilt für alle vier Hauptfunktionen, die der Wald erfüllt, also die Schutz-, Erholungs-, Wohlfahrts- und Nutzfunktion. Damit ist die Schlüsselrolle von Holz für den Klimaschutz ebenso wie für Österreichs Wirtschaft nachhaltig gesichert. Der Erhalt der Waldflächen und der Ressourcen des Waldes ist durch die langfristige Kohlenstoffbindung für den Klimaschutz ebenso unerlässlich wie für die Wirtschaft und die zahlreichen Menschen und Arbeitsplätze, die hinter dem Netzwerk Forst und Holz stehen.

Kenngrößen des Waldes

Waldfläche

47,9 Prozent der Fläche Österreichs sind mit Wald bedeckt, das sind 4 Mio. Hektar. Jener Teil, der wirtschaftlich genutzt werden kann, ist der Ertragswald mit einer Größe von 3,34 Mio. Hektar. Auf einem Hektar Ertragswald wachsen durchschnittlich 1.017 Bäume.

Holzvorrat

1,173 Mrd. Vorratsfestmeter stehen derzeit im Ertragswald zur Nutzung bereit, das sind durchschnittlich 351 Vorratsfestmeter pro Hektar.

Holzzuwachs und Holznutzung

Jährlich wachsen etwa 30 Mio. Vorratsfestmeter zum Ertragswald hinzu. Von diesen 30 Mio. werden 88 Prozent oder 26 Mio. Vorratsfestmeter genutzt. Das heißt, dass 12 Prozent oder 4 Mio. Vorratsfestmeter des jährlichen Zuwachses im Wald verbleiben. Der Holzvorrat nimmt dadurch kontinuierlich zu.

Was ist ein Festmeter?

Vorratsfestmeter – Erntefestmeter

Der Begriff „Festmeter“ ist in der Forst- und Holzwirtschaft häufig in Verwendung. Es ist eine Maßeinheit für unbehandelte Stämme oder Stammstücke gefällter Bäume, die sogenannten Rundhölzer. Ein Festmeter (fm) entspricht einem Kubikmeter fester Holzmasse ohne Zwischenräume.

Daraus leiten sich weitere Einheiten ab:

  • Der Vorratsfestmeter (Vfm) bezeichnet das noch im Wald stehende Holz, also lebende Bäume. In dieser Einheit wird sowohl der Vorrat von Holz als auch der Nachwuchs angegeben.
  • Als Erntefestmeter (Efm) wird der Vorratsfestmeter abzüglich des Ernteverlustes bezeichnet, das sind Rinde, Stockholz, Überlänge, Bruchholz, Äste und Wipfel.
  • Mit Schichtfestmeter (Sfm) ist geschnittenes Brennholz gemeint, das ohne Zwischenräume ordentlich gestapelt ist.

Quellen

  • Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft für Österreichs Wirtschaft – Economica Institut für Wirtschaftsforschung, Fachverband Holzindustrie Österreich, März 2021
  • Regionale Beschäftigung im Cluster Forst- und Holzwirtschaft in Österreich – Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, BMLRT, März 2021
  • Holz im Bau und als Rohstoff für Kraftstoffe. Szenarien für die österreichische Volkswirtschaft – Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, BMLRT, März 2021
  • Holzeinschlagsmeldung über das Kalenderjahr 2020 – BMLRT, April 2021
  • Industrien der Holzverarbeitung, Marktinformation 2020 BMK, Dezember 2020

verfasst von

Christina Simmel

leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

Erschienen in

zuschnitt 83
Holz im Alltag

In diesem Zuschnitt zeigen wir, in welcher Vielfalt uns Holz täglich begegnet!

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zuschnitt 83 - Holz im Alltag