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zuschnitt 11
Rein ins Holz - Schraube oder Nagel


Ein nicht unwesentlicher Teil der Entwurfstätigkeit geht bei Holzbauten in die Bemessung und Ausbildung von Verbindungen – immerhin beeinflussen sie die Werkstatt und Montagekosten in nicht geringem Maße. Kenntnisse über Verbindungsmittel, ihre optimale Auswahl und richtige Anwendung sind mitentscheidend für Ästhetik, Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit einer Lösung.

Format DIN A4
Seiten 28
ISBN 978-3-902320-18-4
Ausgabe Oktober - November 2003
Vergriffen!

Editorial

Das Thema sollte komplex und tiefgehend abgehandelt werden, Entwicklung und Geschichte der Holzverbindungen seit der Steinzeit sollten ebenso Platz finden wie die hohe Kunst japanischer Holzverbindungen oder die Art und Weise, Verbindungen ebenso primitiv wie wirksam mit Seilen herzustellen. Generationen von Pfadfindern bekommen diese Verbindungstechnik als Basiswissen heute noch vermittelt. Es wurde angeregt, klassisch-mechanische Verbindungen und Sonderlösungen zu trennen, nach punktförmigen, linearen und flächigen Verbindungen« zu ordnen, nach dem Materialverbund Holz-Holz, Holz-Beton, Holz-Glas« zu unterscheiden. Die Renaissance der zimmermannsmäßigen Verbindungen, also jener Holz-Holzverbindungen, die im allgemeinen kraftschlüssig wirken, mittels CNC-Technik (Computer numerical control, siehe Zuschnitt 9, Seite 26) dürfe nicht fehlen, hieß es.

Das Thema Verbindungen sollte auf dem Stand der Technik, anwenderbezogen und problemorientiert abgehandelt werden. Angesichts der fast erschlagenden Fülle an Vorschlägen zum Inhalt zeigte sich zweierlei: einmal, dass eine Ordnungsstruktur, eine Kategorisierung vonnöten sei und zugleich, dass es unmöglich sein würde, das Thema in seiner ganzen Bandbreite und Komplexität in eine Zuschnitt-Nummer zu packen. Die Verbindungstechnik musste eingegrenzt werden auf einen Umfang, der im traditionell schlanken Zuschnitt Platz finden kann, ohne oberflächlich behandelt zu sein. Der Morphologische Kasten, frei nach Zwicky« tauchte auf. Er fand als Ordnungsstruktur Erwähnung, aus der man schwerpunktartig jene Verbindungen oder Verbindungsmittel herausnehmen sollte, die Entwicklungspotenzial haben. Keiner fragte genauer nach, wer Zwicky und dieser ominöse Kasten sei. Eine Bildungslücke? Wer ihn nicht kannte, hatte wohl eine vage Vorstellung. Als zu umfassend verworfen, ging Zwickys Kasten in der Diskussion wieder unter. In die kam nun - kraftvoll stählern - der Nagel und mit ihm der Vorschlag, sich im Zuschnitt doch ausschließlich ihm und seiner Vielfältigkeit, seiner Potenz und zugleich Einfachheit zu widmen.
Ein ganzes Heft nur für den Nagel? Manchen schien das doch zu puristisch und man einigte sich darauf, auf den universellen Überblick zwar zu verzichten, sich statt dessen aber den stift - oder stabförmigen Verbindungsmitteln, bei denen die Nägel eine Art Prototyp bilden und ihrer Entwicklung zu widmen - ausführlich und facettenreich.

Sie finden im Zuschnitt nun den Versuch einer geordneten Übersicht über das komplexe Thema «Stabförmige Verbindungsmittel«, ihre Charakteristik und ihre Anwendungsmöglichkeit, dann einen Fachartikel über das Potenzial von Schrauben, deren Entwicklung sich bekanntlich von der der Nägel ableitet, einen Beitrag über die neueste Entwicklung bei Stabdübeln, die ihren vorläufigen Höhepunkt im auch für Laien bestechend leistungsfähigen selbstbohrenden Stabdübel findet, in der Folge ein Anwenderbeispiel zu vorgenanntem und schließlich eine sehr persönlich gehaltene, fast philosophische Betrachtung konstruktiver Verbindungsmittel mit den Augen des Praktikers Wolfgang Pöschl. Überlegungen zum Brandschutz von Knoten und Verbindungen runden das Thema ab, während Geschichte und Wesen des Matador, jenem seit 100 Jahren unverwüstlichen Holzbaukasten aus Klötzen und stabförmigen Verbindungsmitteln, in den Holzrealien die feine Würze des Themas bilden.

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