Zum Hauptinhalt springen

Studentenwohnheim in der Seestadt Aspern in Wien

erschienen in
Zuschnitt 62 Schneller wohnen, Juni 2016

Daten zum Objekt

Standort

Wien/AT Google Maps

Bauherr:in

wbv-gpa, Wien/AT, www.wbv-gpa.atOeAD, Wien/AT, www.housing.oead.athome4students, Wien/AT, www.home4students.at

Architektur

F2 Architekten, Schwanenstadt/AT, www.f2-architekten.at

Statik

Obermayr Holzkonstruktionen GmbH, Schwanenstadt/AT, www.obermayr.at

Holzbau

Obermayr Holzkonstruktionen GmbH, Schwanenstadt/AT, www.obermayr.at

Fertigstellung

2015

Typologie

Wohnbauten

Schnell einsetzbare Module aus Holz

Hoher Siedlungsdruck, steigende Grundstückspreise und sinkende Grundstücksverfügbarkeit, das waren die Gründe für ein Programm des temporären Bauens: das Studentenwohnheim auf Zeit.
Dessen Ziel: Für Grundstücke im Nahbereich der Stadt Wien, die frühestens in fünf Jahren bebaut werden, schon jetzt eine Zwischennutzung zu finden und günstigen Wohnraum zu schaffen. »Es sollen explizit keine hässlichen Container sein«, sagt Christoph Chorherr, Planungssprecher der Wiener Grünen, der 2013 die Idee ins Rollen brachte. »Wir wollen zeigen, dass auch mit hoher Qualität schnell und kostengünstig gebaut werden kann. «Die Voraussetzungen für die Architektur auf Zeit: Sie soll bis zu sieben Mal auf- und abgebaut werden und sich an verschiedene Grundstückszuschnitte anpassen können, zumindest Niedrigenergiestandard aufweisenund nicht mehr als Euro 35.000,–pro Wohnheimplatz kosten.

Im Dezember 2013 startete ein offener Wettbewerb; angesprochen waren Teams aus Architekten und der Bauwirtschaft. Die Materialität war freigestellt, doch angesichts der modularen Leichtbauweise fanden sich unter den 45 eingereichten Projekten naheliegenderweise vor allem Stahl- und Holzbausysteme. Als erstes der vier Siegerprojekte kam das des oberösterreichischen Teams GreenFlex-Studios bestehend aus Architekt, Holzbauer, Generalunternehmer und Haustechniker, in der Seestadt Aspern zum Zug. Es entstanden 40 Wohnheimplätze, die Übergabe erfolgte im September 2015.
Fünf Jahre wird das Studentenwohnheim hier residieren, 2020 wandert es an den nächsten Standort, ebenfalls in der Seestadt. Die anderen drei Projekte sollen noch umgesetzt werden. Der Entwurf von GreenFlex Studios basiert auf dem bereits vom selben Team entwickelten Entwurf einer mobilen Gebäudeeinheit, die schon mehrmals für Wohn- und Gewerbezwecke zum Einsatz kam und 2007 mit dem Oberösterreichischen Holzbaupreis ausgezeichnet wurde.

n Aspern wurden die Boxen mit einer Abmessung von circa 5,5 x 17 Metern zweigeschossig um ein zentrales Atrium angeordnet. In jeder Box finden vier Wohnheimzimmer Platz. Konstruktiv sind diese in Holzriegelbauweise mit mineralischer Dämmung und hinterlüfteter Außenfassade ausgeführt, sie erfüllen Niedrigstenergiestandard und wurden inklusive Sanitärinstallation, Lüftung und Möblierung im Werk komplett vorgefertigt. »Unsere Box ist deutlich breiter als gängige Holzboxsysteme, damit eine komfortablere Wohn- oder Büronutzung möglich ist«, erklärt Hans-Christian Obermayr von Obermayr Holzkonstruktionen. Der dadurch etwas aufwendigere Transport wurde im Juryprotokoll zwar mahnend angemerkt, erfolgte dann aber problemlos innerhalb eines Tages. Lediglich die vor Ort errichtete Überdachung des Atriums verlängerte die Montagezeit um wenige Wochen.

Initiator Christoph Chorherr zieht heute eine positive Bilanz: »Das Projekt zeigt, dass wir in Österreich einen hervorragenden Holzbau haben, mit Modulen, die schnell einsetzbar sind und fern jeglicher billiger ‚Hühnerstall-Optik‘ liegen.« Auch im Hinblick auf den Bedarf an Flüchtlingsunterkünften, der durch die Wiener Bauordnungsnovelle 2016 leichter gedeckt werden soll, sieht Chorherr Einsatzmöglichkeiten und kann sich auch eine Mischung von Studenten und Flüchtlingen vorstellen. Funktional sei das kein Problem, stimmt auch Hans-Christian Obermayr zu, allerdings sei das Holzbau-Wohnheimin Aspern für diesen Zweck zu kostenintensiv: »Um mit den Systemen zu konkurrieren, die in diesem Bereich entwickelt wurden, müssten wir abspecken, vor allem, was die Dimension der Boxen und den Standard der Ausstattung betrifft. «Die Systeme sind startklar, und der Bedarf am schnellen Leichtbau wird in den nächsten Jahren sicherlich nicht weniger.


verfasst von

Maik Novotny

ist Architekturjournalist und schreibt regelmäßig für die Tageszeitung Der Standard, die Wochenzeitung Falter sowie für Fachmedien über Architektur, Stadtentwicklung und Design.
www.maiknovotny.com

Erschienen in

Zuschnitt 62
Schneller wohnen

Allenthalben muss Wohnraum geschaffen werden, am besten rasch und qualitätvoll zugleich. Da ist Holz das Material der Wahl, weil flexibel, nachhaltig sowie schnell und ausreichend verfügbar. Und es bringt Atmosphäre, Behaglichkeit und Wertschätzung gleich mit.

8,00 €

Zum Produkt   Download

Zuschnitt 62 - Schneller wohnen

Weitere Objekte zum Thema Modulbau

Wohnbauten

Studentenwohnheim in Hamburg
Am laufenden Band

Standort: Hamburg/DE
Fertigstellung: 2017
Wohnbauten

Pop-up-Häuser in London
Leicht aufbaubar und leicht demontierbar

Standort: London/UK
Fertigstellung: 2015

Gesundheit und Soziales

Seniorenwohnhaus in Hallein
Wohnen in Massivholzboxen

Standort: Hallein/AT
Fertigstellung: 2013
Hotel und Gastronomie

Hotel im Ammerwald
Raumzellenbau, Brettsperrholz, tragend

Standort: Reutte/AT
Fertigstellung: 2009