Inhalt

Architekt, Architektin

Erschienen in
Zuschnitt 78: Ausbildung Holzbau
September 2020, Seite 20f.

Was macht ein Architekt, eine Architektin?

Sie planen alle Arten von Bauwerken und sind für deren gestalterische, technische und wirtschaftliche Ausführung verantwortlich. Sie sind die Verfasser der Pläne, vom Entwurf bis zur Detailplanung. Als Vertreter/Vertreterin der Bauherren/Bauherrinnen kontrollieren sie den Planungs- und Bauprozess und die Zusammenarbeit der beteiligten Gewerke. Die Berufsbezeichnung »Architekt« bzw. »Architektin« ist in Österreich geschützt und darf nur nach erfolgreich abgelegter Ziviltechnikerprüfung getragen werden.

Architekten und Architektinnen erzählen:

»Immer wenn wir mit mineralischen Baustoffen bauen, merken wir aufs Neue, wie schön und ästhetisch doch das Bauen mit Holz ist. Allein die Qualität des Handwerks auf der Baustelle beeindruckt mich. Auf einer Holzbaustelle geht es einfach anders zu – feiner. Der moderne Holzbau hat mit dem traditionellen nur mehr begrenzt etwas zu tun. In den letzten Jahren hat er sich sehr stark technisch weiterentwickelt und viel Emotionales ist dabei verloren gegangen. Wir versuchen, den Anschluss ans Handwerk wiederherzustellen. Viele Produkte, die die Industrie uns zur Verfügung stellt, sind technisch wertvoll, aber sie sind nur ein Teil einer gesamtheitlichen Betrachtung. Ich stelle mir dann immer die Frage: Was sind die wirklichen Qualitäten eines Holzbaus? Ist es der maximale Einsatz von Holz? Oder ist es ein Holzbau, der materialspezifisch für eben diese Bauaufgabe entwickelt wurde? In diesem Spannungsfeld arbeiten wir. Es macht uns Spaß und motiviert uns, das Potenzial des Holzbaus immer wieder aufs neue herauszukitzeln, bei jeder Bauaufgabe.«
Tom Lechner, Altenmarkt im Pongau

»Das Typische an meinem Beruf ist für mich das ständig Neue: das Eingehen auf Menschen, auf die Situation vor Ort und – in Hinblick auf Holz – auch auf den sinnvollen, richtigen Materialeinsatz. Meine Beweggründe dafür, den Werkstoff Holz zu verwenden, sind einfach. Es ist ein von Hand bearbeitbarer Werkstoff. Was durch meine Hand gehen kann, kommt direkt aus dem Kopf. Holz ist verzeihend, ist aber bei entsprechender Bearbeitung auch absolut belohnend und zeigt das Können der Handwerker wie kaum ein anderes Material auf.«
Barbara Poberschnigg, Innsbruck

»Die Arbeit auf der Baustelle gemeinsam mit den Handwerkern macht mir dabei besonders viel Spaß. Der Zimmermann mit seiner Präzision auch bei konstruktiven Arbeiten fasziniert mich besonders.«
Julia Kick, Dornbirn

»Die Projekte, die wir in Holz realisieren können, sind jene, bei denen nicht nur der Entstehungsprozess auf der Baustelle ein freudvoller ist, sondern auch schon der Planungsprozess.«
Sebastian Illichmann, Wien

»Mir ist es ein persönliches Anliegen, mit heimischen Materialien zu arbeiten, die echt und lebendig sind – Materialien, die ästhetisch altern und wertbeständig sind.«
Karin Triendl, Wien

»Das Besondere an meiner Tätigkeit als Architektin ist, dass ich an konkreten Dingen arbeiten und durch mein Handeln einen Beitrag für die Gesellschaft leisten kann. Hierbei ist es mir ein Anliegen, die Wahl des Konstruktionssystems und des Materials mitdefinieren zu können. Beim Bauen mit Holz ist oft Überzeugungsarbeit notwendig, damit die Bauherren die Qualitäten von Holz schätzen lernen.«
Catharina Maul, Wien, Attersee

»Es ist die Faszination, die dieser Werkstoff mit all seinen Bearbeitungsmethoden und Möglichkeiten bietet, der Geruch, das Weiche oder Harte, das Biegsame oder Steife, das Lang- oder Kurzlebige, und über all dem: Er wächst nach und ermöglicht Leben.«
Maximilian Rudolf Luger, Wels

»Nach meinem Abitur an einem Gymnasium in Deutschland wusste ich zwar bereits, dass ich Architektur studieren wollte, entschied mich aber zunächst für eine Tischlerlehre. Mit Holz zu arbeiten, war naheliegend. Ich mag, dass Holz die Wärme meiner Hände nicht sofort absaugt, und ich mochte schon immer, dass meine Hände selbst nach einem Arbeitstag mit diesem Werkstoff noch immer sauber waren. Die Meisterklasse von Johannes Spalt an der Angewandten in Wien hatte ich mir als Ort für mein Architekturstudium ausgesucht. Dort aufgenommen, suchte ich mir für die ersten Sommersemesterferien einen Ferialjob in einem Architekturbüro – danach nie wieder. In den folgenden Ferien habe ich in einer Zimmerei gearbeitet (auf Dachstühlen, in der Sonne, in luftigen Höhen).«
Alexander F. Hagner, Wien

»Mein Interesse für das Bauen mit Holz wird nach wie vor durch anonyme Holzbauten geweckt. Mich fasziniert dabei, wie durch strukturelles Konstruieren und einfache Fügung Gebäude mit einer Selbstverständlichkeit und einer ganz eigenständigen Atmosphäre entstehen. Am Werkstoff Holz selbst haben mich immer schon die Qualität des Alterns und sein Duft fasziniert. Diese Lebendigkeit schätze ich.«
Jürgen Wirnsberger, Spittal an der Drau

»Holz ist für mich ein regionaler, daher naheliegender Universalbaustoff zum Konstruieren und eine haptische Oberfläche.«
Sonja Hohengasser, Spittal an der Drau

»Holz ist ein natürliches und sinnliches Material. Es riecht gut und hat eine angenehme Haptik. Für mein Selbstverständnis als Architekt ist die Beschäftigung mit Holz vergleichbar mit jener des Handwerks als eine geduldige und gewissenhafte Tätigkeit, die zu Kompetenz führen soll. Mir ist bewusst, dies steht im Widerspruch zum Zeitgeist, aber ich mag nicht Spielball einzelner Disziplinen und Interessen sein.«
Bernardo Bader, Bregenz