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Interdisziplinäres Laboratorium in Linz

erschienen in
Zuschnitt 77 Brandrede für Holz, März 2020

Daten zum Objekt

Standort

Linz/AT Google Maps

Bauherr:in

OIC Open Innovation Center GmbH, Linz/AT

Architektur

Riepl Riepl Architekten, Linz/AT, www.rieplriepl.com

Statik

Bollinger und Grohmann, Wien/AT, www.bollinger-grohmann.com

Holzbau

Graf-Holztechnik GmbH, Loosdorf/AT, www.graf-holztechnik.at

Brandschutzplanung

FireX Greßlehner GmbH, Leonding/AT, www.firex.at

Fertigstellung

2019

Typologie

Forschung

Mit Sprinkler und Rauchentlüftung

Der Campus der Johannes Kepler Universität liegt am Stadtrand von Linz, das neue interdisziplinäre Forschungsgebäude am äußer­s­ten Rand dieses Campus. Der Wald ist hier zum Greifen nahe. Der lang gestreckte Kubus mit seiner rot lasierten Lamellenfassade beheimatet Laborräume sowie 240 Arbeitsplätze, die sich in einer Art Großraumbüro über zwei Geschosse verteilen. Im LIT Open Innovation Center (LIT OIC) soll angewandte Forschung statt­finden, an dem Projekt beteiligte Firmen treffen hier auf univer­sitäre Forscher. Das Untergeschoss und die Treppenhäuser sind in Stahlbeton errichtet, der Rest des Gebäudes ist ein lupenreiner Holzbau.

Riepl Riepl Architekten gewannen 2016 den Realisierungswettbewerb für die Neu- und Umgestaltung des Unicampus in Linz. Der Weg von der Straßenbahnendhaltestelle zum LIT OIC führt an den vielfältigen Bautätigkeiten vorbei, der Aufstockung der Bibliothek, dem neuen, im Herzen der Anlage gelegenen Eingangs- und ­Veranstaltungsgebäude und neu gestalteten Außenanlagen. Man erkennt gleich, dass Riepl Riepl keine Architekten sind, die ein bevorzugtes Baumaterial haben. Holz gehört zu ihrem Repertoire wie viele andere Materialien. Dass sie beim LIT OIC zum Holz griffen, ist auch dem großen Zeitdruck geschuldet. Denn erst, als der Wettbewerb schon entschieden war, kam dem Bauherrn die Idee, ein interdisziplinäres Forschungsgebäude zu errichten. Dafür sollte es umso rascher umgesetzt werden. Zwischen der ersten Ideenskizze und der ­Fertigstellung lagen gerade einmal zwei Jahre. Um in so kurzer Zeit mit geringem Budget ein hochwertiges Gebäude erstellen zu können, schien den Architekten Holz optimal geeignet. Das nachhaltige und innovative Image des Holzbaus gefiel dem Bauherrn sogleich.

Der Eingang in das LIT Open Innovation Center liegt an der Nahtstelle zwischen den drei gleich großen Laboren der Forschungs­fabrik und dem Bürotrakt. Vom Eingang aus fällt der Blick auf die Zugangsstufen und dann weiter auf eine Treppenanlage, die die beiden Büroetagen verbindet und mit breiten Stufen zum Sitzen einlädt. Eine zweite, ähnlich gestaltete Treppenanlage ist räumlich von den Büros abgetrennt und kann auch für Vorträge genutzt werden.

Im Inneren sorgen die weiß lasierten Holzoberflächen für eine angenehme Raumatmosphäre, die großen Brandschutzver­glasungen zur angrenzenden Forschungsfabrik unterstützen die Kommunikation von Firmen und Universität, von Labor- und ­Bürotätigkeit. Die Sheds, die sowohl die Labors als auch die ­Büros mit ausreichend Licht von oben versorgen, bringen zudem einen industriellen Charme mit ein. Den Sheds kommt auch beim Brandschutz eine besondere Bedeutung zu. Sie sorgen für eine ausreichende Rauchentlüftung im Brandfall. Nur so war es möglich, einen Bürotrakt mit sichtbaren Holzoberflächen zu schaffen, der sich als Großraumbüro über zwei Etagen erstreckt. Dies bedurfte einer Ausnahmeregelung der OIB. Mithilfe einer verdichteten Sprinkleranlage und der Rauchentlüftung über die Sheds konnten die Behörde und die Feuerwehr vom Brandschutzkonzept überzeugt werden.

Der Holzbau ist ein Skelettbau mit Holz-Beton-Verbunddecken. Die Aufbauten der Decken sind dabei, dem Budget entsprechend, sehr einfach gehalten: nur Holz, Beton und Teppich.

Kurz vor der Fertigstellung kam der Wunsch auf, eine ausgediente Postrutsche vom Postverteilerzentrum hierhin zu transferieren. Gesagt, getan. Nun kann, wer will, vom zweiten Obergeschoss bis ins Untergeschoss rutschen. Ganz ungefährlich war der Einbau nicht, erzählt Christof Pernkopf, Projektleiter und Partner im Büro Riepl Riepl. Man musste in dem schon fast fertiggestellten Gebäude noch einmal schweißen, um die einzelnen Teile der Rutsche zusammenzusetzen. Gerade während der Bauphase bedarf der Brandschutz im Holzbau besonderer Achtsamkeit. Eine gute Bauaufsicht aber war vorhanden und bewachte die nachträglichen Schweißarbeiten aufmerksam.

Video


verfasst von

Anne Isopp

ist freie Architekturjournalistin, -publizistin und Podcasterin in Wien. Sie war von 2009 bis 2020 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt. In ihrem Architekturpodcast Morgenbau spricht sie mit Menschen aus der Baubranche über nachhaltiges Bauen.

Erschienen in

Zuschnitt 77
Brandrede für Holz

Im Brandfall ist Holz berechenbar. Im Brandfall schützt Holz sich selbst. Diese Gewissheit spiegelt sich in den gelockerten Brandschutzvorschriften für den modernen Holzbau wider. Damit wird das Bauen mit Holz immer sicherer und einfacher, und das ist gut so.

8,00 €

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Zuschnitt 77 - Brandrede für Holz

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