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Mit Erfahrung und Innovation

Wohnbau Riverside in Kapfenberg

Eva Guttmann
Erschienen in
Zuschnitt 80: Schallschutz
März 2021, Seite 10f.

In Kapfenberg setzt das Architekturbüro j-c-k nach einem gemeinsamen Wettbewerbserfolg mit Martin Bukovski 2016 das Projekt Riverside mit acht freistehenden Baukörpern als Geschossbau in Holzbauweise um, bisher wurden vier davon fertiggestellt.

Die einzelnen Häuser bestehen jeweils aus zwei im rechten Winkel zueinander gesetzten Gebäudeteilen mit vier und fünf bzw. fünf und sechs Geschossen und sind versetzt angeordnet, sodass Durchblicke, unterschiedlich gestimmte Freiräume und ein lockerer Übergang zum Fluss entstehen.

Bereits in der Wettbewerbsausschreibung wurde auf die Präferenz für eine Systembauweise verwiesen, und so fiel die Wahl auf einen Holzbau, bei dem die unteren drei Geschosse in Massivholzbauweise und – aus Gewichtsgründen – die oberen in Riegelbauweise ausgeführt wurden. Auf eine Holzfassade wurde angesichts der hohen Feuchtigkeit durch den nahen Fluss verzichtet, stattdessen bilden Aluminiumrauten die Außenhaut der hinterlüfteten Fassade.

Bauherrin und Planungsteam waren sich einig, mit Sichtholzdecken als spürbarem Ausdruck der Holzbauweise im Inneren zu arbeiten und den Stiegenhaus- bzw. Liftkern sehr reduziert und ohne Fußbodenaufbau auszuführen, was jeweils mit schallschutztechnischen Herausforderungen verbunden war. Aufgrund der hohen Erdbebenlasten am Bauplatz war die Ausführung der Stiegenhauskerne in Stahlbeton alternativlos.

Um einen Holzbau an einen massiven Stiegenhauskern anzuschließen, wird normalerweise vor die Stahlbetonwand eine zweischalige Holzständer- oder Holzmassivwand gesetzt, die sowohl statisch als auch schallschutztechnisch wirksam ist. In diesem Fall wurde in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit darauf verzichtet und lediglich eine Vorsatzschale an der Innenseite der Wohnungen vorgesehen.

Durch die beschriebene Konstruktion bzw. den im Stiegenhauskern fehlenden Fußbodenaufbau waren allerdings erhöhte Schallschutzmaßnahmen im Bereich der Anbindung der Holzbaumassivsichtdecke erforderlich: Zur Verbindung von Geschossdecken und Stahlbetonkern setzte die Holzbaufirma Graf in Abstimmung mit der Bauphysik auf Stahlwinkel, die auf Sylomer gelagert sind, und zusätzliche schallentkoppelte Stahlverbindungselemente zur Aufnahme der Horizontalkräfte mit schalldämmender Wirkung. Diese Innovation erwies sich als hervorragende Lösung und bewies bei den nachträglichen Messungen ihre Tauglichkeit. Eine weitere dem Schallschutz dienende Maßnahme war es, die Grundrisse so zu organisieren, dass lediglich Nebenräume direkt an den Stiegenhauskern anschließen.

Da sich zwischen Wohnungseingangstüre und Aufenthaltsräumen keine weitere Trennung befindet, die einen akustischen Abschluss gewährleistet hätte, wurde in der Planung die Option offengelassen, nachträglich eine Tür zu Wohnzimmer bzw. -küche einzufügen, was sich schlussendlich jedoch als nicht notwendig erwies.

Eine mögliche Schallübertragung zwischen Sichtholzdecken und Außen- bzw. Innenwänden durch die Flanken wurde mittels einer Sylomerunterlage an der Unterkante der Massivholzplatte unter der aufgehenden Wand unterbunden. Weiters wurden an Innen- und Außenwänden zum Teil Vorsatzschalen angebracht, die die Schallübertragung minimieren. In den Wohnungen gibt es auf Stützen gelagerte Unterzüge in Sichtholz – auch sie wurden mit Sylomerlagern entkoppelt.

Aus statischen und schalltechnischen Gründen ist es im mehrgeschossigen Holzbau sinnvoll, Regelgrundrisse fünf- bis sechsgeschossig zu planen. Dadurch sind jedoch die unteren Geschosse höheren Druckbelastungen ausgesetzt, was dazu führt, dass hier in der Regel die Wirksamkeit der Sylomerlager reduziert ist. Messungen werden daher grundsätzlich unten durchgeführt.

Bei der Wahl der Aufbauten und Knotenausbildungen wurde einerseits auf Vergleichs- und Erfahrungswerte zurückgegriffen, zusätzlich zu den Berechnungen im Planungsstadium wurden in diesem Fall im Rohbauzustand zwei Schallmessungen zur Sicherstellung durchgeführt. Nach der ersten gab es minimale Nachbesserungen im Bereich des Bodenaufbaus, die zweite Messung zeigte die Wirksamkeit dieser Maßnahmen und lieferte gute Ergebnisse.

Das Beispiel »Riverside« zeigt, dass mit der Kombination aus Erfahrung und Innovation im Holzbau ausgezeichnete Ergebnisse erzielt werden können und dass aus der Zusammenarbeit von FachplanerInnen, Holzbauunternehmen und ArchitektInnen stets neue, sowohl den gestalterischen Anforderungen als auch den gesetzlichen Vorgaben entsprechende Lösungen entstehen können.

Wohnbau Riverside in Kapfenberg

Fertigstellung

2019-22

Standort

Kapfenberg/AT

Bauherrin

Gemeinnützige ZUWO Zufrieden Wohnen GmbH, Bruck an der Mur/AT, www.bruckerwohnbau.at

Planung

j-c-k Janser Castorina Katzenberger, Graz/AT, www.j-c-k.at

Statik

Petschnigg zt GmbH, Premstätten/AT, www.zt-petschnigg.at

Bauphysik

Rosenfelder & Höfler Consulting Engineers, Graz/AT, www.diebauphysiker.at

Holzbau

Graf Holztechnik GmbH, Horn/AT, www.graf-holztechnik.at

Text

Eva Guttmann
2004 – 09 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt, 2010 – 13 Geschäftsführerin des HDA, Haus der Architektur in Graz. Freischaffende Autorin, Herausgeberin, Redakteurin und Verlagsrepräsentantin für Park Books Zürich; lebt und arbeitet in Graz und Wien.

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