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Grundlegende Maßnahmen

zur Steigerung der Schalldämmung im Holzbau

Bernd Nusser
Erschienen in
Zuschnitt 80: Schallschutz
März 2021, Seite 16

Um im Holzbau trotz der eher geringen Bauteilgewichte eine gute Schalldämmung zu erreichen, gilt es, einige grundlegende Maßnahmen zu beachten. Die effizienteste Maßnahme besteht darin, die Schallenergie bereits am Entstehungspunkt möglichst abzubauen, um so ein Eindringen in die Konstruktion zu vermeiden oder zumindest die Eindringtiefe zu vermindern. Bei der Luftschallanregung ist das kaum möglich, bei der Körperschallanregung dafür deutlich leichter zu realisieren. So kann der Eintritt von Trittschall in die Decke durch einen möglichst schweren Estrich (z. B. 80 mm Zementestrich) und eine weiche, faserige Trittschalldämmung (z. B. 40 mm Mineralwolle) stark reduziert werden. Hier entfaltet das Masse-Feder-Masse-System seine Wirkung: Physikalisch gesehen wird eine der Massen erhöht und eine weiche Feder eingesetzt. Die Resonanzfrequenz verschiebt sich dadurch zu tieferen Frequenzen, im Optimalfall deutlich unter 100 Hz. Eine ergänzende Maßnahme liegt in der Erhöhung der zweiten Masse. Dies kann z. B. durch das Einbringen einer möglichst schweren, elastisch gebundenen Schüttung (z. B. ≥ 80 mm Splittschüttung) auf der Rohdecke erfolgen. Wichtig ist hierbei, dass die Schüttung elastisch (z. B. mit Latex oder organischem Kleber) und nicht starr (d. h. mit Zement) gebunden wird, um die Schallenergie möglichst lokal abzubauen und nicht weiter zu verteilen. Beim Einsatz von abgehängten Unterdecken ist Vorsicht geboten. Diese können je nach Unterkonstruktion und Beplankungsart sehr störende Resonanzfrequenzen erzeugen und müssen bauakustisch abgestimmt werden. Bei einer korrekten Ausführung der abgehängten Unterdecke, d. h. möglichst entkoppelt und schwer, mehrlagig beplankt, z. B. 90 mm elastisch abgehängt mit 18 mm plus 12 mm Gips(faser)platten beplankt, kann die Trittschalldämmung der Decke jedoch stark verbessert werden.

Zur Unterdrückung der Flankenübertragung können elastische Entkopplungslager an den Stoßstellen, Vorsatzschalen an den flankierenden Wänden und/oder abgehängte Unterdecken eingesetzt werden.

Zur Steigerung der Luftschalldämmung von Wänden wird im Allgemeinen auf schwere, mehrlagige Beplankungen zurückgegriffen. Sehr effizient ist der Einsatz von Vorsatzschalen, wobei hier auf die Resonanzfrequenz geachtet werden muss. Hierbei sind Federschienen o. Ä. einer eher starren Holzunterkonstruktion vorzuziehen. Um eine maximale Schalldämmung bei Wänden zu erreichen, sind die beiden Wandseiten bestmöglich voneinander zu entkoppeln, womit ein zweischaliger Aufbau mit getrennter Tragstruktur geschaffen wird. Bei solchen mehrschaligen Wänden sollte das Gefach möglichst tief ausgeführt werden, d. h. die einander zugewandten Seiten der Steher werden nicht beplankt. Zu beachten ist dabei auch der Brandschutz.

Prinzipiell sollten Hohlräume in Wänden und Decken möglichst vollständig mit einem faserigen Dämmstoff ausgedämmt werden, um störende Resonanzen zu vermeiden. Wird darauf verzichtet, sind Einbußen in der Schalldämmung von 10 dB und mehr möglich.

Text

Bernd Nusser

ist Leiter des Fachbereichs Bauphysik der Holzforschung Austria.

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