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Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen in Salez

erschienen in
Zuschnitt 86 Balkone im Holzbau, September 2022

Daten zum Objekt

Standort

Salez/CH Google Maps

Bauherr:in

Hochbauamt Kanton St. Gallen, St. Gallen/CH, www.sg.ch

Architektur

Andy Senn Architekt, St. Gallen/CH, www.senn.sg

Statik

Merz Kley Partner, Dornbirn/AT, www.mkp-ing.com

Holzbau

Blumer-Lehmann AG, Gossau/CH, www.blumer-lehmann.ch

Fertigstellung

2018

Typologie

Bildung

Ein Laubengang als Fassaden- und Sonnenschutz

Das Schulzentrum für landwirtschaftliche Berufe, am südlichen Rand von Salez gelegen, wurde als Siegerprojekt eines Wettbewerbs aus dem Jahr 2011 nach einem Entwurf des Büros Andy Senn ­Architektur umgesetzt. Die Jury würdigte es als Statement für öko­logisches Bauen, lobte den Einsatz natürlicher Mechanismen und hob die kluge Funktionalität hervor. Der zweiflügelige, L-för­mige Bau beherbergt in einem lang gezogenen Trakt mit zwei Geschossen die Räumlichkeiten der Schule. Quer dazu liegt ein kurzer ­Internatstrakt mit drei Geschossen bei gleicher Höhe. Bis auf das Untergeschoss, die Bodenplatte und die Holz-Beton-Verbund­decken wurde der Bau aus Holz errichtet. Wo es möglich war, griff man dabei auf kantonseigene Bestände zurück. Die Tragstruktur ist aus Fichten-Brettschichtholz (Schule) bzw. aus Brettsperrholztafeln (Internat), für die Wände wurde Weißtanne verwendet. Als weitere naturnahe Materialien sind beispielsweise Kasein und Lehm als Beschichtung der Böden in einzelnen Bereichen der Schule und Lehmputz an den Wänden des Wohn­bereichs zu nennen.

Der Grundriss des gesamten Gebäudes ist zugunsten einer flexiblen Grundrissgestaltung von einem durchgezogenen Stützraster von 2,14 Metern geprägt. Dieser bestimmt auch das Fassadenbild des Hauses – bildet er sich doch in Form von Hängestützen der umlaufenden Balkonkonstruktion nach außen ab. Wie eine zweite, vorgelagerte Schicht dient diese in Form eines wasserdurchlässigen Laubengangs als Fassaden- und Sonnenschutz. Aufgrund der teilweisen Bewitterung sind die Laubengänge in Eiche ausgeführt. Dem Boden- und Spritzwasserkontakt ist durch die abgehängte Konstruktion vorgebeugt. Der demontierbare Holzrost aus Eichen­bohlen liegt nicht direkt, sondern mit Puffern auf den Trägern und ist mit Schlitzblechen auf Abstand an den Hängestützen bzw. der Fassade montiert. Tropfkanten an den empfindlichen Stellen und eine sorgfältig ausgeführte Abdichtung schützen vor eindringender Feuchtigkeit. Ein Blick auf die Ausführung verdeutlicht das besondere Augenmerk, das den einzelnen konstruktiven Elementen zuteil wurde. Es bildet die Grundlage für eine möglichst lange Lebensdauer dieser hier wohl durchdachten und nicht nur als Raumerweiterung umgesetzten Balkonstruktur.


verfasst von

Christina Simmel

leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

Erschienen in

Zuschnitt 86
Balkone im Holzbau

Der Balkon als Bauteil ist in der Architektur heute ebenso selbstverständlich wie komplex. In diesem Zuschnitt zeigen wir anhand gelungener Beispiele die Vielfalt an gestalterischen Aspekten und beleuchten die konstruktiven Herausforderungen von Balkonen im Holzbau.

8,00 €

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Zuschnitt 86 - Balkone im Holzbau

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