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Wohnprojekt Lynarstraße in Berlin

erschienen in
Zuschnitt 86 Balkone im Holzbau, September 2022

Daten zum Objekt

Standort

Berlin/DE Google Maps

Bauherr:in

Wohnungsbaugenossenschaft Am Ostseeplatz eG, Berlin/DE, www.am-ostseeplatz.de

Architektur

SWP – schäferwenningerprojekt GmbH, Berlin/DE, www.swprojekt.de

Statik

Häussler Ingenieure GmbH, Kempten/DE, www.haeussler-ingenieure.com

Holzbau

HU-Holzunion GmbH, Rotenburg/DE, www.holzunion.com

Fertigstellung

2019

Typologie

Wohnbauten

Selbsttragend, dem Holzbau vorgesetzt

Über fast 110 Meter Länge entstand entlang der Berliner Ringbahn das experimentelle Wohnprojekt LYN der Wohnungsbau­genossenschaft „Am Ostseeplatz“, das „innovativ, aber bezahlbar“ sein sollte und auch ist. Wo vormals nur ein Gewerbebau aufgrund vieler, nahe vorbeifahrender S-Bahn-Züge möglich schien, entwickelten schäferwenningerprojekt drei Siebengeschoßer mit 98 Wohn- und sieben Gewerbeeinheiten, die über dem Erdgeschoss inklusive der Aufzugsschächte nahezu vollständig in ­Holzbauweise ausgeführt wurden. Möglich machten dies zwei stählerne, offene Treppenhäuser als Fluchtwege in den so genannten Canyons zwischen den Hauskörpern, die, verbunden mit Galerien, auch die drei Häuser luftig miteinander verknüpfen.

Mit Clusterwohneinheiten u. a. für Student:innen, Mehrgene­rationen- und integratives Flüchtlingswohnen sowie für demente Personen in einer betreuten WG wird LYN seinem sozialen Anspruch gerecht, auch die Kommunikation seiner Bewohner:innen unter­einander sowie mit ihrem Quartier zu fördern. Zu diesem Zweck fügten schäferwenningerprojekt ihren naturbelassenen, hinterlüfteten Douglasienfassaden viele weiß lackierte Stahlkonstruk­tionen als luftige Balkone und Erschließungswege hinzu.

Für die Balkone entwickelten sie zwei unterschiedliche Varianten: Zur Bahn und den Stirnseiten hin sind sie – mit jeweils zwei vor­gesetzten Stützen – „resistenter“, zur Straße hin kragen sie aus den Geschossdecken ohne Stützen aus. Beide Varianten sind 1,5 Meter tief, haben einen 0,4 Meter hohen Rahmenaufbau und sind verzinkt, wurden aber mit weißer Farbe gestrichen. Der einzige markante Unterschied besteht in der Entwässerung: Bei den auskragenden Balkonen wird das Wasser sichtbar über entlang der Fassade geführte Regenrohre abgeführt, bei den vorgesetzten versteckt in den U-Profilen ihrer Stützen. Beide Varianten ­erhielten jedoch in ihrer Untersicht weiße Trapezbleche, um sich von den Baukörpern klar abzusetzen, und laden zur Entdeckung ihres vielfältigen Lebens ein.


verfasst von

Claus Käpplinger

lebt als freier Architektur- und Stadtkritiker in Berlin und lehrt seit 2012 am Institut für Entwerfen und Gebäudelehre der TU Braunschweig.

Erschienen in

Zuschnitt 86
Balkone im Holzbau

Der Balkon als Bauteil ist in der Architektur heute ebenso selbstverständlich wie komplex. In diesem Zuschnitt zeigen wir anhand gelungener Beispiele die Vielfalt an gestalterischen Aspekten und beleuchten die konstruktiven Herausforderungen von Balkonen im Holzbau.

8,00 €

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Zuschnitt 86 - Balkone im Holzbau