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Sozialwohnbau bei Barcelona

erschienen in
Zuschnitt 86 Balkone im Holzbau, September 2022

Daten zum Objekt

Standort

Cornellà de Llobregat/ES Google Maps

Bauherr:in

lnstituto Metropolitano de Promoción de Suelo (IMPSOL), Barcelona/ES, www.amb.cat

Architektur

Peris+Toral Arquitectes, Barcelona/ES, www.peristoral.com

Statik

Bernuz-Fernández Arquitectes, Barcelona/ES, www.bfa.cat

Holzbau

VIAS y Construcciones, Madrid/ES, www.vias.es

Fertigstellung

2021

Typologie

Wohnbauten

Auskragende Deckenplatten aus Brettsperrholz als Balkon

Als das Filmhaus Pisa als letztes Kino von Cornellà de Llobregat seine Türen für immer schloss, wurde rasch eine Folgenutzung der Liegenschaft beschlossen. Die Verwaltung der an der südwestlichen Peripherie Barcelonas gelegenen Gemeinde wollte hier leistbaren Wohnraum schaffen. Das Team von Peris+Toral ­Arquitectes gewann den dazu ausgelobten Wettbewerb mit einem Hofbau. Im Erdgeschoss weist er eine offene Struktur für gewerbliche Nutzung auf, darüber befinden sich fünf Wohngeschosse mit insgesamt 85 Wohneinheiten auf Basis einer drei Räume tiefen Matrix. Das Konzept sah vor, sämtliche Korridore zu eliminieren, die Raumgrößen zu maximieren und eine Querlüftung zu garantieren. Einzig die Treppenhäuser dienen als reine Erschließungsflächen, sie liegen in den vier Ecken des gemeinschaftlichen Hofs. Von ihnen aus gelangt man zu einer Art Verteilerraum bzw. direkt auf den hofseitig liegenden Laubengang. Beide Flächentypen sind eindeutig einem Wohnraum zugeordnet und zur ausschließlichen Nutzung der jeweiligen Bewohner:innen vorgesehen.

Auf dem Erdgeschoss aus Stahlbeton liegt eine vorgefertigte Tragstruktur aus Holz. Der Kern der Geschossdecken, 15 cm dickes Brettsperrholz, kragt sowohl zum Innenhof als auch zur Straße über die tragenden Fassadenwände aus und definiert die allseitig umschließenden Balkone. Als weiterer Aufbau des im Außen­raum liegenden Fußbodens folgt eine XPS-Dämmung (weitere Maß­nahmen bezüglich Kältebrücken braucht es aufgrund des katalani­schen Klimas nicht). Darauf folgt eine Schicht aus mit ­Polyurea versiegeltem Gefällebeton und Beton aus Portland­zement. Den oberen Abschluss bilden Terrazzoplatten. Die ­Unterseite der Brettsperrholzdecke ist naturbelassen und im Stockwerk darunter sichtbar. Die Stirnseite des Balkons ist mit Stahlblenden abgedeckt, die unter die Polyureadichtung geführt sind. Die an der Außenfassade umlaufende Balkonstruktur hat den gleichen Aufbau, sie bildet einen Puffer zur Straße.

Als Sonnen- und Sichtschutz sind dem gesamten Baukörper hof- wie straßenseitig wechselnde vertikale Streifen von filigranem Stahlgitter und Holzrollos vorgehängt. Geschlossen legen sich die Rollos ortstypisch über die gleichfalls aus Stahlgitter geformten Geländer. Diese Haut, die die Balkone nach außen abschließt, ist an vertikalen T-Trägern befestigt, die per Stahlwinkelhalterung auf das Ende des Bodens gesetzt und verschraubt sind. Einen ­Regenauffang gibt es nicht.


verfasst von

Mecky Reuss

Mecky Reuss studierte Architektur an der TU Delft und SCI-Arc in L.A. und ist in den Bereichen Kunst und Architektur tätig. 2012 gründete er gemeinsam mit Ana Paula Ruiz Galindo das Büro Pedro&Juana. Er lebt und arbeitet in Mexiko-Stadt.

Erschienen in

Zuschnitt 86
Balkone im Holzbau

Der Balkon als Bauteil ist in der Architektur heute ebenso selbstverständlich wie komplex. In diesem Zuschnitt zeigen wir anhand gelungener Beispiele die Vielfalt an gestalterischen Aspekten und beleuchten die konstruktiven Herausforderungen von Balkonen im Holzbau.

8,00 €

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Zuschnitt 86 - Balkone im Holzbau